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Gemeinnützige Projekte brauchen „anderes“ Projektmanagement

Von Oliver Steeger

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2012, Seite 15 - 22. Alle Rechte vorbehalten.
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Der „Dritte Sektor“ boomt. Immer häufiger nehmen gemeinnützige Organisationen Aufgaben wahr, die der Staat abgegeben hat. Damit schnellt auch die Zahl gemeinnütziger Projekte in die Höhe, sogenannter „Not for Profit-Projekte“. Doch um das erfolgreiche Management ist es auch bei diesen Projekten nicht immer gut bestellt. Vielen mit Idealismus vorangetriebenen Not for Profit-Projekten fehlt es an Struktur und Festigkeit. Die Experten Prof. Steffen Koolmann, Rolf Kaestner und Dr. Thor Möller haben die Schwierigkeiten näher untersucht. Zwei überraschende Ergebnisse: Das klassische Projektmanagement stößt bei Not for Profit-Projekten an seine Grenzen – und muss für diesen Bereich verändert werden. Und: Die Wirtschaft kann von gemeinnützigen Projekten lernen, etwa beim Umgang mit Projektpartnern. In diesen Tagen legen die drei Experten ein Buch zum Thema Not for Profit-Projekte vor („Projektmanagement im Not for Profit-Sektor – Handbuch für gemeinnützige Organisationen“).

In sozialen oder anderweitig gemeinnützigen Organisationen ist das Wort „Projekt“ schnell bei der Hand: Stadtteilprojekte, Hilfsprojekte, Kulturprojekte, Kirchenprojekte, Betreuungsprojekte. Wer sich in solchen Projekten näher umgeschaut hat, wird aber in der Regel wenig Projektmanagement finden ...

Prof. Steffen Koolmann (SK): ... wenig Projektmanagement im klassischen Sinne, so, wie es in kommerziell orientierten Unternehmen verbreitet ist. Dennoch werden im Not for Profit-Sektor, wie wir den gemeinnützigen Bereich nennen, sehr erfolgreiche Projekte durchgeführt. Die durch Projekte erbrachten Leistungen sind beachtlich!

Trotzdem könnte dieser Sektor vieles von dem klassischen, kommerziellen Projektmanagement lernen, da scheinen Fachleute mit einer Stimme zu sprechen.

Dr. Thor Möller (TM): Not for Profit-Projektmanager könnten von den „Kollegen“ aus der Wirtschaft lernen – wie auch die Wirtschaft von gemeinnützigen Projekten durchaus Impulse empfangen könnte. Ich denke, der Dialog zum Thema „Projektmanagement“ würde beide Seiten bereichern.


Entwicklungshilfeprojekt in Nicaragua: Ein „Gesundheits-
posten“ betreut Menschen in ländlichem Gebiet.
(Foto: KfW-Bildarchiv/Fotograf: Ruben Ortiz)

Wirtschaft und gemeinnützige Organisationen stehen sich in puncto Projektmanagement recht fremd gegenüber. Projektmanager gemeinnütziger Vorhaben weisen viele Werkzeuge des klassischen Projektmanagements zurück. Zu kühl seien diese Werkzeuge, heißt es. Die Methoden entspringen der Denkweise von Arbeitsteilung und Effizienz. Sie behandeln den Menschen häufig nur als Ressource – statt ihn in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.

Rolf Kaestner (RK): Solche Einwände hört man bei gemeinnützigen Organisationen und Einrichtungen immer wieder, die bezüglich der menschlichen Einbindung in der Tat einen enormen Vorsprung gegenüber dem kommerziellen Sektor haben. Doch weiß man auch: Der gesamte Sektor steht aktuell vor der Herausforderung, seine Arbeit noch anders zu professionalisieren.



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