Sportweltspiele als „Katalysator“ für ehrgeiziges Städtebauprojekt
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2012, Seite 03 - 14. Alle Rechte vorbehalten.
Im Sommer fällt der Startschuss zu den Olympischen Spielen in London. Für neun Milliarden Pfund entstand im Osten der Metropole ein gewaltiges Sportgelände. Bis zu 250.000 Zuschauer soll das Areal fassen, wenn sich die Sportler zum Wettkampf treffen. Was viele nicht wissen: Nach den Spielen werden viele Arenen und Anlagen wieder abgebaut. Ab 2013 entsteht hier ein neues Stadtviertel mitten in den sozial schwächsten Gegenden der Hauptstadt. Vieles ist bereits vorbereitet. In engem Schulterschluss mit den Anwohnern hat Senior Project Manager Klaus Grewe das olympische Gelände und den neuen Stadtteil entwickelt. Bürgerbeteiligung und nachhaltiges Projektmanagement standen weit oben auf der Projektagenda – was die Bevölkerung mit breiter Zustimmung belohnt hat. Neun von zehn Londoner Bürgern unterstützen das kombinierte Städtebau-Olympia-Projekt. Eine Traumquote!

Klaus Grewe (50), Senior Project
Manager, lebt mit seiner fünf-
köpfigen Familie seit 2005 in
England und arbeitet dort seit
2007 für die Olympic Delivery
Authority in London. Er ist
verantwortlich für die Gesamt-
koordination aller Projekte der
Olympischen Spiele 2012. Davor
gestaltete er erfolgreich das
Angebot von Balfour Beatty’s
für die Ausstattung des St.-
Gotthard-Basistunnels mit. In
Deutschland arbeitete er für
die Strabag AG als stellver-
tretender Projektleiter des
Projekts „Hauptbahnhof Berlin“,
davor war er Projektund Bau-
leiter auf Baustellen wie dem
Bahnhof Spandau oder dem U-
Bahnhof Potsdamer Platz nach
dem Mauerfall. Auch war er an
mehreren Tunnel- und Brückenbau-
vorhaben beteiligt. Klaus Grewe
ist von der Ausbildung her
Zimmermann. Kontakt:
Klaus.Grewe@virgin.net (Foto: privat)
Herr Grewe, London rüstet sich für die Olympischen Sommerspiele. In den vergangenen sieben Jahren wurde für über neun Milliarden Pfund ein völlig neuer Stadtteil im Osten Londons aus dem Boden gestampft – mit Wettkampfarenen, Stadien, Olympischem Dorf für die Sportler und Infrastruktur für Zehntausende von Zuschauern. Was Fachleute in Deutschland erstaunt: Dieses gewaltige öffentliche Projektprogramm war nicht begleitet von Bürgerprotesten. Im Gegenteil, Ihr Projekt fand in der Nachbarschaft des neuen Stadtviertels eine Zustimmungsrate von über neunzig Prozent. In Deutschland wäre solche Sympathie für ein öffentliches Großprojekt schwer vorstellbar.
Klaus Grewe: Das olympische Gelände wird nach Abschluss der Spiele weitergenutzt, diese Perspektive ist ein wichtiger Pluspunkt für uns in der öffentlichen Diskussion. Auf dem Gelände wird nach den Spielen ein lebenswerter, schöner Stadtteil entstehen. Vor allem: Er wird einen neuen Mittelpunkt für die sozial schwächsten Stadteile Londons bilden. Die Anlage wird den Menschen zugutekommen, in deren Nachbarschaft das Projekt stattgefunden hat. Beispielsweise wird hier ein großer neuer Park angelegt. Unser Projekteprogramm umfasst neben der Errichtung von neuem Wohnraum das größte Parkbauprojekt Englands seit 120 Jahren, eine Landschaft mit Bäumen und Gewässern, die nach den Spielen sogar noch ausgeweitet wird.
Auch in Deutschland bewirken öffentliche Großprojekte Gutes für die Nachbarschaft. Trotzdem bleibt ihnen die Zustimmung der Anwohner versagt.
Man muss sich die Zustimmung erarbeiten! Was London betrifft: Wir haben jene Menschen intensiv in die Planung einbezogen, denen die Infrastruktur und die Anlagen nach den Spielen zugutekommen. Sie waren von Anfang an im Boot, sie haben an ihrem neuen Stadtteil und der Gestaltung der Nachbarschaft mitgewirkt.
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