Bundesgartenschau: 34 Einzelvorhaben aufgereiht wie „Perlen an einer Schnur“
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2012, Seite 13 - 20. Alle Rechte vorbehalten.
Drei Millionen Gäste in einem Blumenmeer: Die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz hat ihre Ziele weit übertroffen. Hinter der groß angelegten Schau stand ein gewaltiges Projektprogramm, das die von Rhein, Mosel und Berghängen eingeengte Stadt über viele Monate in Atem hielt. 34 Einzelprojekte – darunter der Bau der größten Seilbahn jenseits der Alpen – reihten sich aneinander wie Perlen an einer Schnur. „Die Baustellen durften sich nicht durch Engpässe gegenseitig behindern“, erklärt Programmmanager Matthias Kluge, „jede Verschiebung wirkt sich sofort auf andere Projekte aus, das System war enorm komplex. Allein die Projekte in ein gemeinsames Terminraster zu bringen, hat alle Beteiligten etliche Schweißtropfen gekostet.“ Im Interview berichtet er über das schwierige Geschäft, die Vorbereitungen für eine Bundesgartenschau „unter einen Hut zu bringen“.

Nach seinem Studium an der TU
Darmstadt entwickelte Matthias
Kluge Spezialsoftware für
Straßen- und Kanalplanung,
arbeitete anschließend in einem
Planungsbüro mit Schwerpunkt in
allen Bereichen des kommunalen
Tiefbaus. Seit 2008 ist Matthias
Kluge bei Drees & Sommer tätig
und war als Programmmanager für
die Maßnahmen der Bundesgarten-
schau Koblenz 2011 verantwort-
lich. Seine weiteren Projekte:
Projektmanagement für die
Internationale Gartenschau
(IGA) Berlin 2017 und das
Tempelhofer Feld, für den Bau
einer Umgehungsstraße in
Eschborn, für die signal-
technische Ertüchtigung der
S-Bahn-Stammstrecke Frankfurt
am Main, für den Bau eines
Schwerionen-Rohrbeschleunigers
für die Gesellschaft für Schwer-
ionenforschung (GSI) Darmstadt
sowie für die Sanierung des
Straßen- und Kanalnetzes auf
dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf.
(Foto: Drees & Sommer)
Herr Kluge, bei einem Projekt wie die Umsetzung einer Bundesgartenschau kann man leicht die Übersicht verlieren. Die Bundesgartenschau in Koblenz umfasst nahezu eine halbe Million Quadratmeter, etwa die Fläche von 76 Fußballfeldern. Eine eigens gebaute Seilbahn quert den Rhein und verbindet die Stadt mit der Festung Ehrenbreitstein; mit 850 Metern Länge ist sie die größte Seilbahn nördlich der Alpen. Was die Dimensionen des Projektmanagements bei der Bundesgartenschau betrifft: Wir haben es mit einem Programm von 34 Einzelprojekten zu tun, die auf engstem Raum stattgefunden haben. Wie kann man bei solch einem Vorhaben alle Fäden in der Hand behalten?
Matthias Kluge: Durch konsequente Steuerung von Terminen und Kosten, durch Kommunikation und sorgfältigen Umgang mit Risiken. Persönlich auch durch zwischenmenschlich verbindliches Handeln, Ausdauer und die Fähigkeit, auch Rückschläge zu verkraften. Unter dem Strich also durch beharrliches, sorgfältiges Projektmanagement-Handwerk.
Sprechen wir näher darüber. Ein Programmmanager steht in der Verantwortung für viele Projekte, die sich wieder in Teilprojekte verzweigen. Sie bilden alles in allem ein komplexes, in sich verschachteltes System. Kann sich der Programmmanager überhaupt um detailliertes PM-Handwerk kümmern?
Das Handwerkliche ist die Basis für erfolgreiches Projektmanagement. Zielkonflikte auflösen, Risiken erkennen und abwenden, Entscheidungen herbeiführen, Änderungen managen, Abhängigkeiten zwischen den Einzelprojekten erkennen und Einzelprojekte untereinander koordinieren – dies sind die Aufgaben eines Programmmanagers. Dabei gilt es, permanent logistische Engpässe durch geschickte Planung zu entschärfen, Termine zu steuern, Arbeitsfortschritte voranzutreiben sowie Kosten einzuhalten.
Viele Programmmanager verstehen sich als Admiral einer Projektflotte. Sie aber sehen sich mehr in der Rolle eines Moderators.
Bei diesem Programm waren die Verantwortlichkeiten meines Teams unterschiedlich verteilt: Einen Teil der Projekte haben wir komplett abgewickelt. Bei anderen ...
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