© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2011, Seite 44. Alle Rechte vorbehalten.
Vorweg: Bei meinen vielen Versuchen, das PRINCE2-Manual (englische Version) wirklich zu verstehen, habe ich mich zu Beginn sehr schwer getan. Man muss viel Geduld aufwenden und ein beträchtliches Vorwissen haben, um das Konzept, das in den Dokumenten als Best practice-Methode bezeichnet wird, bis in alle Verästelungen zu begreifen. Vor allem muss man die aus meiner Sicht ein wenig eigenwillige Terminologie erst einmal verinnerlichen. Für einen Anfänger, der sich zum Beispiel mit generischen Vorgehensmodellen noch nicht beschäftigt hat, dürfte es noch etwas schwieriger sein, sich Klarheit zu verschaffen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass es jetzt ein gut geschriebenes deutsches E-Book gibt, das es dem Leser sehr leicht macht, das System in seiner neuesten Version (PRINCE2:2009) gründlich zu verstehen, zumal die Erläuterungen in eine, allerdings manchmal etwas konstruiert wirkende, Geschichte eingebettet sind. Aber das ist keine wesentliche Kritik. Wichtig ist, dass die Story so geschrieben ist, dass alle Zusammenhänge sehr deutlich werden. Lobenswert: Begriffe, die bei PRINCE2 verwendet werden, sind im laufenden Text immer fett hervorgehoben. Bei Details, also etwa beim ganzen Sortiment an Managementprodukten, die für ein großes Projekt erforderlich sind, wird auf die entsprechende Website der Firma Copargo verwiesen.
Zunächst werden die sieben Grundprinzipien, die erst in die Version von 2009 aufgenommen wurden, verständlich und immer an Beispiel erläutert. Das sind
- die fortlaufende geschäftliche Rechtfertigung des Vorhabens (Business Case), ein Kernpunkt bei PRINCE2,
- das Lernen aus Erfahrungen,
- definierte Rollen und Verantwortlichkeiten,
- das Steuern über Managementphasen,
- das Steuern nach dem Ausnahmeprinzip,
- die Produktorientierung und
- das Anpassen an die Projektumgebung.
In einem eingängigen Schaubild zeigt der Verfasser dann im Überblick auch die weiteren Elemente von PRINCE2, die sieben Themen und das generische Phasenmodell. Die Themen sind der schon erwähnte Business Case sowie Organisation, Qualität, Pläne, Risiken, Änderungen und Fortschritt. Alle diese Termini werden dann immer in Bezug auf das Beispielprojekt eingehend erörtert. Hinzu kommen Toleranzen, die für die Kosten, den Zeitrahmen, die Qualität, den Umfang, das Risiko und den Nutzen zum Zwecke der Projektsteuerung definiert werden müssen.
Besonders gut gefällt mir, wie die Erstellung des projektspezifischen Phasenplans erläutert wird. Das ist ja, wenn man sich das Prozessmodell ansieht, nicht unmittelbar einsichtig. Alles in allem nicht nur eine sehr eingängige Einführung in PRINCE2:2009, sondern auch eine gute Anleitung für einen Neuling, wie bei der Planung eines Projekts vorzugehen ist.
Eine Metakritik sei mir aber am Schluss erlaubt. Sie trifft freilich in keiner Weise Bernhard Armbruster. Seine Aufgabe war es, PRINCE2 dem Leser verständlich zu machen. Diese Aufgabe hat er hervorragend gelöst. PRINCE2 ist allerdings ein stark technokratisch orientiertes Instrument. Themen wie Konfliktmanagement, Umgang mit Widerständen im Projekt, Teamentwicklung und Motivierung von Teammitgliedern werden so gut wie nicht angesprochen. Bei einem Einsteiger könnte das zu dem Eindruck führen, dass der Projekterfolg schon garantiert ist, wenn man nur gewissenhaft der Methodik von PRINCE2 folgt. Das ist ein Irrtum.