Best Practice-Beispiel zur Implementierung eines Chancenmanagementsystems
Von Holger Doering-Majid, Frank Döttling
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2011, Seite 24 - 30. Alle Rechte vorbehalten.
In nahezu sämtlichen Projektmanagementstandards – in der DIN (69901:2007), in der ICB (IPMA), der NCB (GPM) sowie im PMBoK (PMI) – spielt das Chancenmanagement eine untergeordnete Rolle und hat deshalb bei Weitem noch keine Normungsreife erreicht. Lediglich im Standard der Risk Management Association (RMA) werden Chancen und Risiken tatsächlich gleichberechtigt behandelt. Auch in der allgemeinen Literatur sind kaum theoretische Modelle oder für die Praxis hilfreiche Hinweise respektive Vorgehensweisen zu finden. Warum bleibt das Thema Chancenmanagement beinahe unbehandelt? In der Regel können hierfür zwei Gründe gelten: Zum einen fehlen schlichtweg Anreiz und Motivation, weil Bemühungen über das Projektziel hinaus häufig weder vom Auftraggeber noch vom eigenen Unternehmen honoriert werden. Denn die Vernachlässigung von Chancen führt nicht zu Folgenachteilen im Projekt. Zum anderen werden Chancen im Projektalltag mehrheitlich von getrennten Abteilungen wie zum Beispiel Vertrieb, Business Development, Marketing oder Produktentwicklung verfolgt und sind deshalb nicht unternehmensweit harmonisiert.
1 Etymologie „Risiko“ und „Chance“
Keine Chance ohne Risiko und umgekehrt, oder? Die Klärung der Wurzeln dieser Begriffe bringt uns auf den richtigen Weg. Der Begriff Risiko datiert bereits zurück auf die griechische Antike. „Rhizikon“ wurde seinerzeit vermutlich im Zusammenhang mit einer Metapher griechischer Navigatoren verwendet, für ein „zu vermeidendes Problem auf See“. Im Mittelhochdeutschen wurde um 1507 der Fachbegriff „Rysigo“ in der Handelssprache geboren, mit der Bedeutung: „etwas wagen, etwas unternehmen, ein Vorhaben und Hoffnung auf wirtschaftlichen Erfolg“. Die Herkunft des Wortes Chance stammt ursprünglich aus dem lateinischen „cadentum“ bzw. vulgärlateinisch „cadentia“. Übertragen ins Französische entstand das altfranzösische „chéance“, abgeleitet von „choir“ (Wahl). Im Allgemeinen meinte man damit im engeren Sinn die „Art und Weise, wie man die Würfel fallen lässt“, i. d. R. also in Verbindung mit einem Zufalls- bzw. Würfel-/Glücksspiel. Der deutsche Ausdruck „Schanze“ ist dem altfranzösischen Wort „chéance“ entlehnt und bedeutete „glücklicher Würfelfall“ bzw. Glück. „Schanze“ und „Chance“ besitzen denselben Wortstamm, sind in ihrem heutigen Sprachzusammenhang jedoch weit voneinander entfernt. Aus „chéance“ wurde das moderne französische Wort „chance“ mit der uns heute bekannten Semantik. So kehrte der Begriff Chance als Fremdwort in den deutschen Sprachgebrauch zurück und meint: „nutzbare/günstige Gelegenheit, Aussicht auf Erfolg, positiver Zufall, Glück“. Unser Motto lautet deshalb: Geben wir dem Chancenmanagement eine „Chance“!

Abb. 1: Vorgehensmodell Chancenmanagement
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