Von Martin Entenmann

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2011, Seite 28 - 34. Alle Rechte vorbehalten.
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Eine regelmäßig auftretende Problemstellung während der täglichen Projektmanagementarbeit ergibt sich aus der Notwendigkeit, plötzlich eintretende Situationen, die eine bestimmte mehr oder weniger komplexe Problemstellung beinhalten, adäquat zu lösen. Zur Lösung einer solchen Problemstellung stehen dem Projektleiter in der Regel mehrere Lösungswege respektive Handlungsalternativen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen zur Verfügung. Die konkreten Auswirkungen dieser einzelnen Handlungsalternativen auf die momentane Projektsituation kann in den meisten Fällen nicht mit hundertprozentiger Sicherheit vorausgesagt werden. Gerade bei Entwicklungsprojekten, bei denen oftmals keine oder nur sehr wenige Erfahrungswerte zur etwaigen Analogiebildung vorliegen, ist der Faktor „Unschärfe“ bzw. „Unsicherheit“ mit ausschlaggebend bei der Bewertung von Handlungsalternativen und somit auch bei der Entscheidungsfindung. Soll die letztendlich herbeigeführte Entscheidung für eine bestimmte Handlungsalternative auf einer soliden und begründbaren Basis beruhen, so müssen vorhandene Unschärfen und Unsicherheiten entsprechend darstell- und verarbeitbar gemacht werden.

1 Einführung

Aber wie bewertet nun der Projektleiter in der Praxis die aktuelle Projektsituation, die vorliegende Problemstellung bzw. die entsprechenden Handlungsalternativen? Wie kommt er zu einer adäquaten Entscheidungsfindung? Meist nicht nach einer zugrunde liegenden Systematik, sondern aus seinem Erfahrungsschatz heraus, also einer Mischung aus Expertenwissen, Bauchgefühl und Analogiebildung. Diese Art, Entscheidungen zu treffen, muss nicht zwangsläufig nachteilig sein. Experimente zeigen, dass viele Manager in Entscheidungssituationen sehr häufig ihrer Intuition folgen. Die aufgrund der Intuition getroffenen Entscheidungen führen dabei zu mindestens genauso guten Ergebnissen wie Entscheidungen, die aufgrund einer komplexen Methodik getroffen wurden.

Um den vielfältigen beschriebenen Bewertungs- und Entscheidungsproblemen im Management von Entwicklungsprojekten entsprechend begegnen zu können, wird in diesem Beitrag das Modell PromEUS (Projektmanagement-Entscheidungsunterstützungssystem) vorgestellt. Dieses Modell wurde im Rahmen einer Dissertation an der Universität Ulm zum Thema „Bewertungs- und Entscheidungshilfen im Projektmanagement“ vom Autor entwickelt. PromEUS ist als Ansatz zu verstehen, der zeigen soll, dass eine systematische Bewertungs- und Entscheidungshilfe im Projektmanagement unter Berücksichtigung von Unsicherheiten möglich und praktikabel ist.

Das Modell PromEUS soll eine grafische Darstellung der charakteristischen Projektfaktoren (Kosten, Termine, Qualität, Fortschritt, Komplexität) sowie der aktuellen Projektsituation unter Berücksichtigung und Abbildung von Unsicherheiten ermöglichen. Darüber hinaus soll eine Methodik zur Ermittlung der erfolgversprechendsten Handlungsalternative zur Lösung von Problemstellungen bereitgestellt werden.


Abb. 1: Skala zur Ermittlung des μ-Wertes der jeweiligen Projektfaktoren



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