Von Michael Reiss
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2011, Seite 22 - 27. Alle Rechte vorbehalten.
Coopetition oder Koopkurrenz als hybride Mischung von Spielregeln der Kooperation und der Konkurrenz wird in Form einer „Kooperation von Konkurrenten“ verstärkt in Open Innovation-Projekten praktiziert. Als organisierter „Wettbewerb unter Projektpartnern“ bildet sie bislang eher eine Randerscheinung, etwa in Form von Ausschreibungen, Awards, Benchmarking und Dual Sourcing. Anders als das Risiken- oder Qualitätsmanagement hat das Management von Wettbewerb nicht den Status einer etablierten Sparte des Projektmanagements. Der Beitrag illustriert, wie sich Kooperation und Konkurrenz im Projektmanagement koppeln lassen, und liefert eine Abschätzung des Potenzials von Coopetition auf der Basis von Kosten-Nutzen-Überlegungen.
1 Standortbestimmung: Das Wesen der Coopetition
Gemeinhin gilt die Projektorganisation – speziell im Kontrast zur Linienorganisation – als Inbegriff einer kooperativen Veranstaltung. Sie ist geprägt durch die Win-win-Kollaboration von „Kollegen“, die sich in zwei Formen manifestiert: Zum einen in einem auf Gegenseitigkeit ausgelegten Geben und Nehmen, vor allem von Know-how, Ideen und Manpower. Zum anderen in der gerechten Rückverteilung eines gemeinsam erwirtschafteten Outputs auf die Beteiligten, von den tangiblen Umsätzen über gewonnene Awards bis hin zur intangiblen Reputation. Spiegelbildlich werden Kosten, Fehler, Flops und Schäden solidarisch getragen. Mitunter erhält die Projektgemeinschaft sogar den Charakter eines Familienclans, etwa wenn sich die Projektmannschaft nach Projektabschluss in einem Projekt-Alumni-Club organisiert.
Von Konkurrenz finden sich rund um die Projektorganisation meist nur Spurenelemente. Hierzu zählt die Verteilung knapper Budgets auf die Projekte in einem Projektportfolio, das Abwerben von Projektmitarbeitern, das Spannungsverhältnis zwischen Projekt und Linie (z.B. in der Projekt-Matrix-Organisation) sowie das Outsourcing von Beratungsleistungen, wenn es keine Berater mit dem Status von „Hoflieferanten“ gibt. Ansonsten repräsentiert Konkurrenz eher einen Störfaktor, der auf ein Minimum reduziert werden sollte.

Abb. 1: Coopetition im Multiprojektmanagement
Werden Kooperation und Konkurrenz bewusst kombiniert, entsteht eine hybride Organisationsumgebung, für die sich die Bezeichnung Coopetition bzw. Koopkurrenz eingebürgert hat. Hier liegt zum einen die „Kooperation von Konkurrenten“ vor, wenn der Konkurrenzanteil in der Coopetition überwiegt: Diese Variante von Coopetition charakterisiert neben ARGE, Konsortium, Projekthaus und anderen konventionellen Formen des unternehmensübergreifenden Projektmanagements auch neuere Ansätze wie Open Innovation (z.B. von neuen Chip-Generationen unter Beteiligung von IBM, Sony, Toshiba oder Samsung und LG), Business oder Innovation Ecosystems (etwa von Philips oder SAP) und die Entwicklung von Open Source-Software.
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