Im Laufe meiner Rezensionstätigkeit habe ich schon eine Reihe von Büchern gelesen, die als Ratgeber für das Projektmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen gedacht waren. Überzeugt haben mich diese Werke in aller Regel nicht. Der Grund: Die Autoren haben sich ihre Aufgabe zu leicht gemacht. Sie haben sich vor allem darauf konzentriert, einfache Tools zu erläutern, also zum Beispiel statt der Netzplantechnik die Meilensteintechnik und die Meilensteintrendanalyse. Das ist natürlich nicht falsch, da aber diese weniger anspruchsvollen Werkzeuge in aller Regel auch in anderen Lehrbüchern behandelt werden, war der Zusatznutzen nicht allzu groß.
Ganz anders ist das bei Braehmer. Er geht wirklich auf die Probleme mittelständischer Unternehmen ein. Das beginnt mit einer gründlichen, statistisch fundierten Betrachtung der Bedeutung des Mittelstands in der Bundesrepublik Deutschland. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, dass das vorhandene Kapital bei den Mittelständlern in vielen Fällen effizienter genutzt werden könnte, und zwar unter anderem dann, „wenn Projekte anstehen, aber tief verwurzelte Skepsis des bodenständigen Chefs gegenüber allem Akademischen oder marginales Wissen der selten geschulten Mitarbeiter das optimale Handeln im Unternehmen erschweren …“ Sein Credo: „Professionelles Projektmanagement bietet in vielen mittelständischen Betrieben eine gute Chance für Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung.“ Diese Aussage wird dann auch noch ausführlich begründet, so etwa mit den kurzen Wegen und schlanken Strukturen in den Unternehmen. In den weiteren Kapiteln versucht Braehmer dann weiterhin vor allem die Chefs vom Nutzen des Projektmanagements zu überzeugen. Das gelingt ihm ganz hervorragend durch seine klare Sprache, durch die vielen Checklisten, sehr informativen kleinen Fallstudien und optisch hervorgehobenen Tipps. Dabei vergisst er nie den Grundsatz „Keep it simple and stupid“. Der interessierte Leser bekommt viele wertvolle Anregungen beginnend bei der Projektauswahl über den Projektantrag, den Projektauftrag, den Projektstrukturplan, die Ablauf- und Zeitplanung und die Risikoanalyse bis zum Projektabschluss, um nur einige Punkte herauszugreifen. Dass diese Instrumente immer an einem Beispiel erläutert werden, versteht sich von selbst. Besonders gefallen mir die Abschnitte, die die besondere Situation des Mittelständlers berücksichtigen, so etwa die Kapitel „Aufpassen bei Projektverträgen mit Dritten“ und „Freie Spezialisten für das Projekt verpflichten“ (mit einem Beispiel für einen Vertrag mit einem freien Projektmitarbeiter). Braehmer ist bei allem Bemühen, den Anfänger in einem kleinen oder mittleren Unternehmen nicht zu verschrecken, immer auf der Höhe der Zeit und beschränkt sich nicht auf den technokratischen Teil unserer Disziplin, sondern gibt auch Ratschläge für den Umgang mit Konflikten in Projekten. Besonders gefreut hat mich das letzte Kapitel mit der Aufforderung „Nun sind Sie als Projektmanager erfahren: Lassen Sie sich zertifizieren!“, in dem auch kurz auf die ICB und die GPM eingegangen wird. Das rundum erfreuliche Buch wird durch ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis abgerundet.
Meine Meinung: Wer sich die nicht ganz einfache Aufgabe gestellt hat, in einem mittelständischen Unternehmen professionelles Projektmanagement einzuführen, sollte dieses Buch kennen.