© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2011, Seite 46. Alle Rechte vorbehalten.
Endlich wieder einmal ein richtiges Projektmanagement-Lehrbuch auf meinem Schreibtisch, endlich wieder einmal Autoren, die terminologiesicher und sich nicht zu schade sind, ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis zu erstellen, endlich wieder einmal Verfasser, die auch aktuelle Entwicklungen berücksichtigen und nicht 1985 stehen geblieben sind. Ich bitte den Leser um Verständnis für meinen kleinen Gefühlsausbruch, aber viele Publikationen des Projektmanagements können einem die Freude an Rezensionen schon verderben, wenn man nicht von Hause aus ein Sadist ist, dem es Spaß macht, ein Buch in der Luft zu zerreißen. Aber nun zum Werk selbst: Pfetzing und Rohde haben ein sehr solides Lehrbuch geschrieben, das sich nach den Grundlagen des PM mit der Aufbauorganisation, mit Multiprojektmanagement (sehr zu empfehlen!), dem Projektstart, der Projektplanung, der Projektdiagnose und -steuerung, dem Projektabschluss und den Weiterentwicklungen des Projektmanagements befasst. Dabei kommen organisationspsychologische Aspekte keineswegs zu kurz. Das alles ist natürlich nicht neu und muss es auch in einem einführenden Werk nicht sein, es ist aber sehr sauber und gut lesbar mit vielen Grafiken und Tabellen aufbereitet. Ein nicht triviales, durchgezogenes Beispielprojekt (Aufbau eines Callcenters für den Kundenservice), auf das immer wieder Bezug genommen wird, ist für das Verständnis des Lehrstoffs sehr hilfreich. Besonders hervorzuheben ist, wie schon betont, dass auch neuere Themen behandelt werden, die in vielen Lehrbüchern jüngeren Erscheinungsdatums nicht zu finden sind. So kann man Ausführungen zu PRINCE2, zu OPM3, zum Reifegradmodell von Kerzner und zum V- bzw. Spiralmodell lesen. Höchst erfreulich auch, dass die Autoren der ICB 3.0, die vielen Verfassern soeben erschienener PM-Bücher überhaupt nicht bekannt zu sein scheint, immerhin drei Seiten widmen und jeweils den Bezug zu den eigenen Kapiteln herstellen.
Eine kleine Kritik sei am Schluss erlaubt. Ich sehe ein, dass Fuß- oder Endnoten vor allem bei Anfängern nicht sehr beliebt sind, an manchen Stellen, so etwa bei meiner eigenen Darstellung von Projektarten auf S. 25, bei der Betroffenheitsanalyse nach Lomnitz (S. 153) oder beim OPM3-Modell (S. 443), wären sie aber unbedingt angebracht gewesen.
Fazit: Ein Buch, das guten Gewissens zum Kauf empfohlen werden kann, und zwar auch Leuten, die sich mit dem Gedanken tragen, selbst eines zu schreiben.