Der Einfluss von Persönlichkeit und Kultur auf die Zusammenarbeit von Organisationen

Von Alfred Oswald, Jens Köhler

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2011, Seite 36 - 41. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Zusammenarbeit von Organisationen wird neben den harten Faktoren in erheblichem Maße durch die weichen Faktoren bestimmt. Wesentliche weiche Faktoren sind hier die Persönlichkeit der beteiligten Individuen, die landesspezifische Kultur, die Organisationskultur und das Organisationstemperament. In diesem Artikel stellen wir ein Modell vor, mit dem die Wechselwirkung von Organisationen grundsätzlich analysiert und beschrieben werden kann. Anhand eines fiktiven Praxisbeispiels zeigen wir, wie durch das Modell die Wechselwirkung von Organisationen gewinnbringend für die Zusammenarbeit von Organisationen eingesetzt werden kann.
Der folgende Text ist die Fortsetzung des bereits in Heft 5/2010 begonnenen Artikels.


4. Wechselwirkungsszenario: Wechselwirkung zwischen Business- und IT-Abteilung

Um die Methode zu illustrieren, betrachten wir das Beispiel der Wechselwirkung einer Business-Abteilung und einer IT-Abteilung eines fiktiven pharmazeutischen Unternehmens, wie wir es für die begleitende Geschichte in konstruiert haben. Wir haben dabei die beiden Abteilungen modellhaft überspitzt und in ihren Ausprägungen gegensätzlich positioniert, ohne die Verallgemeinerung dabei einzuschränken (Abb. 3).

Unser Beispiel charakterisieren wir wie folgt:

  • Die IT-Abteilung und die Business-Abteilung arbeiten an einer gemeinsamen Aufgabenstellung in einem global tätigen Unternehmen im selben Land.
  • Das Temperament des Pharmaunternehmens wird durch den Typ ISTJ gekennzeichnet: Es hat eine starke nach innen gerichtete Sicht auf die eigenen Produkte. Obwohl als forschendes Pharmaunternehmen tätig, dominieren inzwischen die in vielen Jahrzehnten erworbenen Fähigkeiten: Die Wirkstoffe werden in definierten Abläufen erforscht, getestet, zu Medikamenten entwickelt, behördlich zugelassen und vermarktet.
  • Die Business-Abteilung ist eine Medikamentezulassungsabteilung, die auf der Basis der rechtlichen Vorschriften die Medikamentenzulassung betreibt. Sie hat, wie das gesamte Unternehmen, das Temperament ISTJ.
  • Die IT-Abteilung versteht sich als globaler Partner des Business und unterstützt mit ihren IT-Systemen alle Abteilungen des Unternehmens. Sie ist flexibel und innovativ. Die Abteilung wurde vor einigen Jahren durch Übernahme aus einer IT-Firma herausgelöst und in dem Pharmaunternehmen angesiedelt. Sie hat sich unverändert ihr Temperament ENFP bewahrt und ist in Bezug auf das Temperament eine Insel im Unternehmen.
  • Business- und IT-Abteilung sollen ein kleines IT-System erstellen, das die bestehende IT-Landschaft der Zulassungsabteilung ergänzt. Die fachlichen Anforderungen hierfür sind hinlänglich bekannt, da diese ganz wesentlich durch die staatlichen Rahmenbedingungen vorgegeben sind. Deswegen wird das Projekt auch nicht als Projekt durchgeführt, sondern eher auf „Zuruf“ als Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen. Wir charakterisieren diese Aufgabe mit der Collective Mind- Methode als „Zimmermannsaufgabe“: Die Anzahl der Stakeholder, für die das Projekt relevant ist, ist klein, und es werden nur bekannte Methoden und Modelle des Business oder der IT eingesetzt.

Abb. 3: Wechselwirkungsfelder von Organisationen



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