Lötschberg-Basistunnel: Pionierprojekt zwei Kilometer „unter dem Berg“
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2011, Seite 03 - 11. Alle Rechte vorbehalten.
Die Bilder vom „Durchschlag“ gingen im vergangenen Oktober um die Welt. Eine haushohe Tunnelbohrmaschine fraß sich durch die letzten Meter Felsgestein. Mit 57 Kilometern Länge wird der Schweizer Gotthard-Basistunnel der längste Verkehrstunnel der Welt sein. Bis er vollständig ausgebaut ist, werden noch Jahre vergehen. Anders beim Lötschberg-Basistunnel: Er ist seit 2007 in Betrieb. Mit bis zu 250 Stundenkilometern passieren Züge diesen fast 35 Kilometer langen Tunnel. Für die Schweizer war der Lötschberg-Tunnel ein Pionierprojekt. Erstmals seit einhundert Jahren wurden wieder kilometerlange Tunnelröhren ins Alpenmassiv geschlagen. Wie gewaltig ein solches Projektprogramm sich gestaltet und wie man ein solches Riesenwerk „in den Griff bekommen“ kann – darüber berichtet Peter Teuscher, oberster Projektmanager des Bauvorhabens am Lötschberg.

Peter Teuscher (Jahrgang 1943),
Dipl.-Ing., arbeitete zunächst
in einer großen Bauunternehmung
auf Großbaustellen (Kraftwerke,
Tunnel), bevor er 1970 in ein
Planungsbüro wechselte. Dort
wirkte er zehn Jahre als Statiker
im Brückenbau. Im Jahre 1980
spezialisierte er sich auf den
Untertagebau, dem er bis heute
treu geblieben ist. Neben
Projekten an der Bahn-Neubau-
strecke Hannover–Würzburg und
dem Fernbahntunnel in Berlin
wirkte er vor allem bei vielen
Projekten in der Schweiz mit.
1989 übernahm er die Leitung
der Ingenieurgemeinschaft, die
den Lötschberg-Basistunnel plante.
Nach Abschluss der Projektplanung
wechselte er 1999 die Seite: Er
leitete als oberster Bauherr die
Ausführung des Lötschberg-Basis-
tunnels bis zur Inbetriebnahme im
Jahre 2007. Heute arbeitet Peter
Teuscher als Consulting Engineer.
Er ist Mitglied des Verwaltungs-
rates des Gotthard-Basistunnels.
(Foto: BLS AlpTransit AG)
Herr Teuscher, die Schweiz hat Erfahrungen mit Tunnelbauprojekten. 1882 wurde der Gotthard-Scheiteltunnel mit 15 Kilometern Länge eröffnet. Eine technische Meisterleistung der damaligen Zeit.
Peter Teuscher: Der damaligen Zeit – darin lag leider für uns auch die Schwierigkeit. Die Erfahrungen und das Wissen, das man damals gesammelt hat, sind für uns nicht mehr greifbar. Als wir erstmals seit langer Zeit wieder ein Tunnelbauprojekt in Angriff genommen haben, mussten wir uns viel Wissen neu erarbeiten.
Es gibt keine Dokumentation über diese historischen Projekte?
Wenn Sie so etwas wie ein Buch meinen, in dem man nachlesen kann, wie man solch ein Projekt macht – nein, dies gibt es nicht. Außerdem: In den zurückliegenden einhundert Jahren haben sich Technik, Anforderungen und auch Umweltvorschriften grundlegend verändert. Ob Sie mit dem alten Wissen heute noch einen Tunnel bauen können, bleibt dahingestellt.
Mit Ihrem Team haben Sie beim Bau des Lötschberg-Basistunnels also Neuland betreten.
Für jeden in unserem Team handelte es sich bei unserem Tunnelbauprojekt in der Tat um Neuland. Niemand hatte an solch einem Projekt schon einmal mitgearbeitet.
Wo liegen die Schwierigkeiten bei Tunnelbauprojekten?
Zum einen liegen die Herausforderungen in der technischen Dimension: Der Tunnel ist 34,6 Kilometer lang, wir haben streckenweise in 2.100 Metern Tiefe gearbeitet. Die Temperaturen liegen bei bis zu 43 Grad. Wir mussten die Baustellen klimatisieren. Das eindringende Gebirgswasser hat einen Druck bis zu siebzig Bar. Hinzu kam: Wir konnten nicht präzise vorhersagen, was uns im Berg erwartet. Wir hatten uns auf Unwägbarkeiten und Überraschungen einzustellen.
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