Von Reinhard P. Oechtering
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2010, Seite 28 - 33. Alle Rechte vorbehalten.
Der für diesen Beitrag gewählte Referenzrahmen zur Erklärung der Funktionsweise von Organisationen ist die von Niklas Luhmann vertretene Systemtheorie. Sie gilt für den nicht eingeweihten „Luhmannianer“ aufgrund ihrer eigenen Terminologie, des Abstraktionsgrades und der Fülle der erzeugten Literatur zu Recht als schwer zugänglich. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die für unsere Betrachtung benötigte Theorie ohne Voraussetzungen so kompakt und verständlich wie möglich darzustellen. In einem zweiten Schritt werden aus systemtheoretischer Sicht die Bedingungen und Maßnahmen erläutert, wie Innovationen im Unternehmen gefördert werden können. Im letzten Teil werden die Erkenntnisse, wie in Unternehmen ein Innovationsklima geschaffen bzw. gefördert werden kann, auf Projekte übertragen.
Die Erkenntnis, dass Projektorganisationen im Gegensatz zu Unternehmensorganisationen Maßnahmen zur Innovationsförderung vermeiden sollten, mag nicht wirklich überraschend klingen. Steht der hier verwendete klassische Projektbegriff (siehe hierzu unten die drei Definitionen der Projekttypen) doch unter dem Postulat einer effektiven Realisierung geplanter Leistung unter strikter Beachtung von Termin- und Budgetbeschränkungen. So lassen sich Projekte als leistungsfähiges Vehikel ansehen, die von der Organisation definierten Innovationen zu realisieren. Interessant ist aber, wie glasklar im Lichte der systemtheoretischen Betrachtung die Gegensätzlichkeit von Innovationsförderung im Unternehmen und klassischer Projektdurchführung hervortritt. So zeigt sich, dass die Maßnahmen, die zur Innovationsförderung im Unternehmen erfolgreich sind, die erfolgreiche Projektdurchführung maximal behindern. Die im Schlusskapitel vorgeschlagene Synthese, klassische Projekte als Vehikel zur Erzeugung innovativer Ergebnisse zu nutzen, weist deutlich in die Richtung der Verwendung inkrementorientierter (agiler) Methoden, wie sie in Softwareentwicklungsprojekten eingesetzt werden, oder auf die Verwendung von Phasenabschnitten (Stage und Gates) und Projekteketten.

Abb. 1: Das inkrementorientierte Modell, Irritation wird zwischen den Inkrementen zugelassen
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