Professor Fritz Berner über Bauprojektmanagement
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2010, Seite 3 - 9. Alle Rechte vorbehalten.
In Südafrika drehten sich die Baukräne. Unternehmen aus aller Welt arbeiteten daran, das Land fit für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zu machen. Mit von der Partie war die BAM Deutschland AG, eines der größten deutschen Bauunternehmen mit Sitz in Stuttgart. Die aus den Traditionsunternehmen Wayss & Freytag Schlüsselfertigbau AG sowie Müller-Altvatter Bauunternehmung GmbH & Co. KG hervorgegangene Gesellschaft war am Bau des Finalstadions in Johannesburg und des Stadions in Port Elizabeth beteiligt. Punkte gemacht hat der Konzern nicht nur mit seinen Patenten und Technologien, sondern auch mit seinem Projektmanagement. Wohin der Weg im Bauprojektmanagement führt, darüber berichtet Prof. Fritz Berner, bis Ende 2009 Vorstandsvorsitzender der BAM Deutschland AG.
Herr Professor Berner, Bauvorhaben gelten als Projekte par excellence. Die meisten Bauwerke sind Unikate. Jedes für sich wird eigens geplant und ausgeführt.
Prof. Fritz Berner: Ein größeres Bauprojekt, wie ein Sportstadion, ein Krankenhaus oder ein Bürogebäude, ist in der Tat ein Solitär. Doch meistens hat man bei dieser Betrachtung das Gebäude allein im Blick. Unikate sind solche Bauprojekte auch deshalb, weil sich die Beteiligten jedes Mal neu zusammensetzen: Auftraggeber, Auftragnehmer, die Erfüllungsgehilfen, wie die vom Auftragnehmer eingesetzten Planer oder Projektsteuerer. Wir haben es mit vielen Nachunternehmern und Lieferanten zu tun sowie mit genehmigenden Stellen. Des Weiteren wird mit jedem Projekt in der Regel neuer, umfangreicher Vertragsinhalt aufgesetzt.
Also ein optimales Gestaltungsumfeld für Projektmanager...
Bauprojektmanager können vergleichsweise frei agieren, nur so können sie den jeweiligen Bauaufgaben optimal gerecht werden. Ihre Projekte sind sehr komplex und bilden eine große Herausforderung. Aber: Man kann Bauprojekte nicht mit Projekten anderer Branchen vergleichen.
Nicht vergleichen – weshalb?
Die Vorgehensweise bei einem Bauprojekt unterscheidet sich von der Vorgehensweise in vielen anderen Branchen. In Deutschland wird ein Bauwerk von einem Architekten geplant, der aber mit der Umsetzung, dem eigentlichen Bau- beziehungsweise Entwicklungsprozess selbst, traditionell wenig zu tun hat. Der Bauherr lässt also zunächst das Endprodukt planen – und zieht dann die Ausführenden hinzu, die diese Pläne zu verwirklichen haben. Die Planung eines Gebäudes und dessen Ausführung sind also in Deutschland getrennt. Das Endprodukt ist gewissermaßen fixiert und steht in seinen Einzelheiten fest, wenn die umzusetzenden Einheiten gesucht und hinzugezogen werden.

Projekte für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika: Das Stadion in Port Elizabeth als Baustelle (Foto: BAM Deutschland AG)
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