Dr. Jürgen Schloß über Projektmanagement im Technologiekonzern Siemens
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PM Aktuell 201002, Seite 3 - 10. Alle Rechte vorbehalten.
Siemens und Projektmanagement gehören zusammen. Mit Projekten, in denen sich Ingenieursgeist und ökonomisches Denken verbinden, ist der deutsche Technologiekonzern groß geworden. Das Projektgeschäft bei Siemens: Rund 73.000 Mitarbeiter sind mit der Akquisition und Abwicklung von Projekten befasst, genug Menschen, um eine Kleinstadt zu füllen. Die rund 15.000 Projektmanager starten Jahr für Jahr weltweit 40.000 Projekte. Der Vorstand bindet sich aktiv ins Projektmanagement ein, ständig wird an Standards und Prozessen weitergefeilt, werden Projektmanager geschult und zertifiziert. Längst gilt das Siemens-Projektmanagement als Vorbild für andere Unternehmen. Dr. Jürgen Schloß, Programmdirektor für PM@Siemens, erläutert im Gespräch die Hintergründe des Erfolgsmythos „Projektmanagement made by Siemens“.

Dr. Jürgen Schloß studierte
Elektrotechnik an der
Universität von Erlangen.
Nach fünf Jahren
Forschungstätigkeit begann
er seine Karriere in der
Luftfahrtindustrie mit
den Schwerpunkten
Sensorelektronik und
internationales
Projektmanagement. Seit
1991 ist Dr.Jürgen Schloß
für Siemens tätig und wurde
1999 Vorstand im Bereich
Power Transmission and
Distribution. Derzeit leitet
er als Program Director
PM@Siemens das weltweite
PM-Verbesserungsprogramm
von Siemens. (Foto: Siemens)
Herr Dr. Schloß, wenn man über ehrgeizige technische Projekte spricht, fällt häufig der Name Siemens. Seit Gründung des Unternehmens wickelt Siemens schwierige Projekte ab – und schrieb damit auch Geschichte. Ihr Unternehmen nahm beispielsweise im Jahr 1870 die indoeuropäische Telegrafenlinie in Betrieb und reduzierte die Übertragungszeit für Nachrichten von 30 Tagen auf knapp 30 Minuten. Diese Projektleistung setzte die Welt damals in Erstaunen wie heute beispielsweise die Transrapid-Technik. Ist Siemens ohne Projektmanagement nicht denkbar?
Dr. Jürgen Schloß: Anhand dieser historischen Leistung lässt sich ersehen, wie stark Projekte immer schon im Vordergrund unserer Geschäftstätigkeit standen. Dies gilt übrigens auch für Projektmanagement. Schon vor 140 Jahren hat sich unser Unternehmen mit Fragen wie Finanzierung und internationale Zusammenarbeit befasst – und diese Fragen bestimmen auch heute das Projektmanagement. Siemens und Projektmanagement gehören zusammen. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren hat sich Siemens dem modernen Projektmanagement geöffnet. Wir gehörten beispielsweise zu den Ersten, die in Deutschland Projektmanagement-Software entwickelt haben.
Wie groß ist heute die Bedeutung von Projektmanagement für Siemens?
Heute erzielen wir rund 50 Prozent unseres Geschäftsvolumens im Projektgeschäft. Derzeit sind rund 400.000 Mitarbeiter bei Siemens tätig, die meisten in der industriellen Fertigung. Mit der Akquisition und Abwicklung von Projekten sind bei uns rund 73.000 Mitarbeiter beschäftigt; sie sind etwa in Vertrieb, Engineering, Abwicklung und in kaufmännischen Bereichen direkt an unseren Projekten beteiligt. Dabei sind vielfach so genannte „Turn-Key“-Lösungen die komplexesten Projekte.
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