© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2009, Seite 50 - 51. Alle Rechte vorbehalten.
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Noch erschöpft von Klausur und Rollenspiel rücken die neun Projektmanagement-Berater zum Gruppenbild zusammen: Sie sind „Pioniere“ – und dies ist ein Foto wert. Erstmals hat die GPM Projektmanagement-Berater ausgebildet, sodass sie sich am 11. Juli 2009 von PM-ZERT zertifizieren lassen konnten.

Das Zeugnis weist sie nun offiziell als „Zertifizierte Projektmanagement-Berater (GPM)“ aus. Die Mühen haben sich gelohnt. „Ich habe viel über Systemische Beratung gelernt“, erklärt Teilnehmer Ralf Joerg Roeschlein. Vorteile erwartet er auch von dem Zertifikat: „Ich kann bei Klienten meine Kompetenz stichhaltig nachweisen und das Gespräch zügig zu inhaltlichen Fragen des Auftrags überleiten.“ Kompetente PM-Berater sind derzeit gefragt. Der Markt für Projektmanagement wächst, und mit ihm steigt auch der Bedarf an Beratung und Beratern; ihr Aufgabenfeld ist ebenso spannend wie vielfältig. Doch neben PM-Expertenwissen brauchen PM-Berater vor allem Wissen, Können und Erfahrung bei der Prozessbegleitung und systemorienterten Beratung.

Diese Kompetenz könnte viele PM-Consultants noch erfolgreicher bei der Bearbeitung ihrer Aufträge machen. Die allermeisten kennen das Projektmanagement wie ihre Westentasche, sie sprechen kompetent Fachempfehlungen aus. Doch verstehen sie sich zu wenig darauf, ihre Empfehlungen bei ihren Klienten zu verankern, Organisationen zu verändern und „ihre PS auf die Straße“ zu bringen. Die GPM spricht von einem komplementären Ansatz, bei dem sich Expertenwissen und Beraterwissen ergänzen und befruchten.

So wollen GPM und PM-ZERT mit ihrem neuen Angebot hauptsächlich Projektspezialisten erreichen und ihre Kompetenzlücken füllen. „Wir erwarten, dass die Teilnehmer unserer Lehrgänge die Klaviatur des Projektmanagements bereits beherrschen“, erklärt Dr. Thor Möller, für Berater zuständiger GPM Vorstand. Was sie darüber hinaus für die Beraterpraxis brauchen – dies eignen sie sich während der 15-tägigen Ausbildung an, die sich als Intervalltraining über ein Dreivierteljahr erstreckt. In Gruppenarbeit, Referaten und Rollenspielen erarbeiten sie sich dieses Know-how und spielen Beraterkompetenzen an realen und fiktiven Fallbeispielen durch.

Das Curriculum des Lehrgangs hat die GPM in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und Weiterbildnern entwickelt. Dr. Thor Möller: „Wir bilden in unserer Qualifizierung den gesamten Beratungsprozess ab und befähigen unsere Teilnehmer, den Prozess zu planen und zu steuern – von der Akquisition bis zum Abschluss.“

Die Wissensbereiche umfassen Methoden, wie der Consultant Aufträge klärt und Verbesserungsbedarf ermittelt, wie er Mitarbeiter in seine Projekte einbindet und mit Widerständen umgeht, wie er Gespräche führt und Fragen stellt, wie er Veränderungen managt, Beziehungen aufbaut, das Lernen einer Organisation begünstigt und Fortschritte evaluiert.

Die Teilnehmer lernen auch, in ihren Beratungsprojekten Veränderungen wahrzunehmen, Entwicklungen in der Organisation zu erspüren sowie ihren Blick und ihre Intuition für Veränderungen zu schärfen. Diese Offerte zur Persönlichkeitsentwicklung wird von den Teilnehmern dankbar angenommen. „Der Lehrgang hat auch meine innere Haltung zur Aufgabe der Beratung verändert“, bestätigt Teilnehmer Benedict Gross, „ich bin mir klarer über das geworden, was ich als Berater mache und wie ich auf die Organisation einwirke.“

Mit ihrer Initiative will die GPM nicht nur PM-Berater besser qualifizieren, sondern durch die Zertifizierung auch Transparenz in den Beratermarkt bringen. Das Zertifikat wird Unternehmen die Auswahl der PM-Berater erleichtern. Auch in der Beraterzunft stieß der Fachverband mit seiner Initiative auf großes Interesse, hofft man doch so, die Kompetenz in der Beratung maßgeblich zu fördern. So schreiben sich auch über Jahre erfolgreich arbeitende Berater in die Lehrgänge ein „Wir rechnen damit, dass Unternehmen zukünftig diesen Nachweis wünschen, wenn nicht sogar fordern werden“, erklärt Dr. Thor Möller.

Die Prüfungen für das durch PM-ZERT vergebene Zertifikat gelten als anspruchsvoll. Neben einer schriftlichen Prüfung und ausführlichen Berichten über zurückliegende Beratungsprojekte fordern die Assessoren, dass sich die Berater in Rollenspielen bewähren. „Wir wollen uns davon überzeugen, dass der Berater das Wissen beherrscht, Erfahrung hat und im Assessment praktische Kompetenz beweist“, erklärt Dr. Sandra Bartsch-Beuerlein, die als Projektmanagerin den Aufbau der Beraterzertifizierung geleitet hat und selbst als Assessorin tätig ist. Doch sollten Teilnehmer den Blick nicht zu sehr auf das Zertifikat und die damit erhofften Wettbewerbsvorteile verengen. Dr. Thor Möller: „Wer sich zu dem Lehrgang entschließt, sieht das Zertifikat am besten als Anreiz für die fachliche und persönliche Weiterentwicklung.“

Zwei weitere Lehrgänge starteten im ersten Halbjahr 2009; ihre Teilnehmer werden sich bis Ende dieses Jahres der Zertifizierungsprüfung stellen. Für 2010 sind bereits neue Lehrgänge angekündigt.



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