d4808820-7b2a-4b2b-852d-bb0429beef4fTrueISBN9783835009158LargeBooks


Buchbesprechung von Siegfried Seibert
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2009, Seite 48. Alle Rechte vorbehalten.
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In der Dissertation von Christian Kunz am Lehrstuhl für Unternehmensführung und Controlling der Universität Bamberg wird eine allgemein anwendbare Konzeption zum strategischen Multiprojektmanagement entwickelt. Das Werk stützt sich auf eine umfangreiche und von der Themenabdeckung als vollständig anzu sehende Literaturbasis. Das Dissertationsvorhaben wurde zwar bereits 2004 abgeschlossen. Das Buch hat sich jedoch – was bei Dissertationen sonst nicht üblich ist – so gut verkauft, dass im Herbst 2007 eine zweite Auflage erschien, die vom Autor mit den zwischenzeitlich neu erschienenen Literaturquellen zum Thema ergänzt wurde. Es gibt daher derzeit den aktuellsten wissenschaftlich fundierten Überblick über den „State of the Art“ des Multiprojektmanagements. Hierbei werden insbesondere der strategische Charakter des Multiprojektmanagements belegt und vielfältige Verbindungslinien zwischen Strategieimplementierung und Multiprojektmanagement aufgezeigt.

In seiner Konzeption unterscheidet Kunz zwischen vier wesentlichen Elementen des Multiprojektmanagements:

  • Multiprojekt-Konfiguration,
  • Multiprojekt-Priorisierung,
  • Multiprojekt-Kontrolle und
  • Strukturierung des Multiprojektmanagements.

Ausgangspunkt für die als gelungen zu bezeichnende Strukturierung in diese vier Elemente ist die Identifikation von zehn zentralen Problemfeldern, mit denen das Multiprojektmanagement konfrontiert ist. Die Problemfelder gehen quer über alle Managementbereiche von „machtpolitischen Friktionen bei der Projektauswahl“ über „fehlende organisatorische Regelungen“, „Wissensverlust“, „fehlende Strategieorientierung“ bis hin zum „Überschreiten strategischer Budgets“. Ein starkes Gewicht dabei haben Controllingaspekte, die sonst in der Literatur zum Multiprojektmanagement häufig vernachlässigt werden.

So wird bei der Multiprojekt-Konfiguration beispielsweise eine Verknüpfung von strategischer Budgetierung und Multiprojektmanagement hergestellt. Kunz entwirft dazu das Detailkonzept einer strategischen Projektbudget-Scorecard, mit der die strategieorientierte Bestimmung von Projektbudgets und deren Verteilung auf unterschiedliche Projektportfolios und Scorecard-Ebenen unterstützt werden kann. Der Autor geht damit deutlich über die in der Projektmanagementliteratur vorherrschenden vergangenheitsorientierten und eher operativ geprägten Bottom-up-Ansätze zur Projektbudgetierung hinaus.

Bei der Multiprojekt-Priorisierung nimmt Kunz eine gedankliche Trennung in Projektbewertung und Interdependenzanalyse vor. Hier gefällt insbesondere die klare und übersichtliche Strukturierung der verschiedenen methodischen Ansätze. Die große Zahl unterschiedlicher Projektportfolioansätze dürfte die meisten Leser überraschen. Leider lässt Kunz offen, wie man mit dieser Vielfalt umgehen sollte. Beim Rezensenten hat sich nach der Lektüre der Eindruck verfestigt, dass die Projektportfolio-Landschaft hauptsächlich von pseudowissenschaftlichen Berateransätzen geprägt ist, aus denen sich ein Anwender die seine angestrebten Ziele am besten unterstützende Portfoliodarstellung heraus sucht und den notwendigen Feinschliff dann noch durch eine zielkonforme Definition der Bewertungskriterien und -gewichtungen vornehmen kann. Insgesamt bedürfen die Projektportfoliokonzepte noch einer wesentlich besseren theoretischen Fundierung.

Bei der Multiprojekt-Kontrolle entwickelt Kunz einen Ansatz, in dem neben einem Multiprojekt-Monitoring und einem Multiprojekt-Review erstmalig und in diesem Kontext neuartig auch ein Multiprojekt-Wissensmanagement integriert ist.

Bei der Strukturierung des Multiprojektmanagements schließlich wird neben einer Prüfung traditioneller Projektorganisationsformen auf ihre Multiprojektmanagement-Tauglichkeit eine vergleichende Gegenüberstellung spezieller Multiprojektmanagement-Organisationselemente, wie zum Beispiel PM Offices, Project Portfolio Boards, oder spezieller Multiprojektmanager vorgenommen. Interessant ist auch die Darstellung von Ansätzen zur Anpassung der primären Unternehmensorganisation an das Multiprojektmanagement durch Project Center, mit denen einzelne Automobilunternehmen wie insbesondere Toyota positive Erfahrungen gesammelt haben.

Insgesamt liefert die Lektüre des Buches von Kunz vielfältige Anregungen nicht nur für denjenigen, der sich wissenschaftlich mit Multiprojektmanagement auseinandersetzt, sondern auch für Praktiker, die einen Überblick über die vielfältigen methodischen und organisatorischen Ansätze zum Multiprojektmanagement gewinnen wollen.



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