Das aktuelle Stichwort
Von Gerold Patzak
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2009, Seite 42 - 45. Alle Rechte vorbehalten.
In diesem Beitrag wird versucht, das Phänomen der Komplexität von Projekten aus Sicht der Systemtheorie greifbar zu machen. Dabei wird auf deduktivem Wege, das heißt herleitend und nicht durch zufallsbedingtes Sammeln und Nennen von Bewertungsaspekten, ein Schema zur analytischen Bewertung des Merkmals Komplexität entwickelt. Deduktives Vorgehen erhebt dabei den Anspruch der theoretischen Vollständigkeit und einer Nachvollziehbarkeit der Argumentation.
1. Allgemeine Betrachtungen zur Komplexität von Systemen
Aus Sicht der Allgemeinen Systemtheorie lässt sich zum Begriff „Komplexität“ Folgendes feststellen:
- Komplexität ist ein konstituierendes Merkmal von Systemen.
- Komplexität ist eine Eigenschaft von Systemen, die aus unterschiedlichen Gründen besonders interessiert und damit als ein wesentliches Merkmal beliebiger Systeme anzusehen ist.
- Komplexität ist konstituierend für die Existenz eines Systems, das als eine zweckrationale Zusammenfassung von Elementen in Form eines gedanklichen Konstrukts zu sehen ist.
- Betrachtungsobjekte, die keine Komplexität aufweisen und damit leicht durchschaubar strukturiert sowie eher statisch sind, erfordern keinen systemorientierten Zugang, brauchen nicht als System aufgefasst zu werden.
Aufgrund der zentralen Bedeutung des Systemmerkmals Komplexität ist ein dringender Bedarf der Messung desselben gegeben. Es sollten dafür objektiv beobachtbare Größen herangezogen werden, die zwar die Komplexität mitbestimmen, jedoch niemals ein absolut gültiges Maß für die subjektiv empfundene Komplexität beim Beobachter im Umgang mit dem Betrachtungsobjekt liefern können. Ein „Urmeter“ zur generell gültigen Messung von Komplexität ist nicht möglich.
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