Dr. Danielle Dahan-Feucht über Zusammenarbeit in deutsch-französischen Projektteams
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2009, Seite 12 - 18. Alle Rechte vorbehalten.
Von Hamburg, Frankfurt oder München ist es ein Katzensprung nach Paris. Einen Einsatz im Nachbarland Frankreich halten viele deutsche Projektmanager für ein Kinderspiel. Doch Dr. Danielle Dahan-Feucht, gebürtige Französin und heute in Stuttgart lebende Beraterin, warnt: Die Mentalitäten und Arbeitskulturen in Deutschland und Frankreich unterscheiden sich erheblich. Immer wieder kommt es – Nachbarschaft hin, Nachbarschaft her – zu interkulturellen Schwierigkeiten; manche in Deutschland akzeptierte Verhaltensweise wird in Frankreich als „Fauxpas“ verstanden. Seit zwanzig Jahren in der deutsch-französischen Zusammenarbeit tätig, empfiehlt die promovierte Romanistin Projektmanagern mit Einsatzziel Frankreich die sorgfältige Vorbereitung und sehr gute Sprachkenntnisse – damit aus dem gemeinsamen Projekt kein „Malheur“ wird.
Frau Dr. Dahan-Feucht, können Franzosen keine Kritik vertragen?
Dr. Danielle Dahan-Feucht: Wie kommen Sie darauf? Unlängst berichtete mir der Manager eines deutschfranzösischen Projekts, er habe seinen französischen Teilprojektmanager deutlich auf dessen Versäumnisse hingewiesen; er hatte Fertigstellungstermine überzogen. Die Kritik – sehr sachlich formuliert – hatte zu ernsten Verstimmungen geführt.
Der deutsche Projektmanager hat möglicherweise meinen Landsmann gekränkt. Der Manager hat die Sache gemeint – und dabei unwissend die Person getroffen.
Ein Fauxpas?
Zumindest ein ernst zu nehmender Fehler im Umgang mit französischen Mitarbeitern! Kritik wird in Frankreich indirekt übermittelt und höflich – so, wie es in Frankreich als höflich wahrgenommen wird – geäußert. Man vermeidet es, dass der Partner oder Mitarbeiter die Kritik als Kritik an seiner Person begreift. Zu diesem Missverständnis kann es schnell kommen.
Augenblick! Man muss doch im Arbeitsleben zwischen der Sache und der Person unterscheiden können. Wer einen Mitarbeiter auf dessen Terminprobleme hinweist, zieht doch damit nicht seine Kompetenz in Zweifel oder bezichtigt ihn sogar, ein fauler Mensch zu sein.
Dies mag in Deutschland so sein, die Kritik mag hier so verstanden werden. In der deutschen Arbeitskultur unterscheidet man stark zwischen der Sache, etwa einer Aufgabe, und der Person. Diese Trennung ist vielleicht einmalig in der Welt, sie ist zumindest sehr selten. In französischen Unternehmen kennt man kaum diese starke Trennung zwischen Person und Sache.
Kennt man kaum – inwiefern?
Person und Aufgabe sind in Frankreich deutlich enger miteinander verbunden. Die Franzosen wundern sich immer wieder darüber, wie ihre deutschen Kollegen beispielsweise Arbeitsergebnisse vor einer Gruppe präsentieren – nämlich so, als hätten sie persönlich gar nichts mit der Aufgabe zu tun. Es wird nüchtern, fast kalt geredet. Eine solche Sachlichkeit wird in Frankreich als befremdend, in bestimmten Situationen sogar als unhöflich, direkt und grob empfunden.
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