Das etwas andere Projekt

Von Reinhard Wagner

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2009, Seite 44 - 49. Alle Rechte vorbehalten.
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Am 15. September 2008 um 8.40 Uhr war es so weit, unser zwölfköpfiges Team stand auf dem höchsten Punkt Afrikas, dem 5.895 Meter hohen Kilimandscharo. Nach einer anspruchsvollen Vorbereitungszeit, vielen Widerständen, Ängsten und Zweifeln sowie einem anstrengenden Aufstieg brachen sich die Emotionen der Teammitglieder Bahn. Einige weinten vor Glück oder Erschöpfung, andere lachten und umarmten sich gegenseitig, etliche genossen andächtig den Augenblick, auf den sie so lange hingearbeitet hatten. Wir hatten unseren Traum erfüllt und ein Projekt realisiert, das einmal eine ganz andere Perspektive als gewöhnlich hatte. Unser Vorhaben diente dazu, selbst gesteckte Ziele zu erreichen, eigene Gestaltungsräume zu erkunden und persönliche Grenzen zu entdecken. Kurz gesagt: Ein Projekt als Mittel der persönlichen Entwicklung.

Die Besteigung des Kilimandscharo entspricht ziemlich genau der Definition eines Projektes nach DIN 69901-5 als „Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist“ [1]. Die in der Begriffsnorm genannten, üblichen Faktoren für die Einmaligkeit von Projekten wie Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Begrenzungen bekommen allerdings in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung. Nicht mehr Projektgegenstände, wie zum Beispiel ein innovatives Produkt, eine veränderte Organisationsstruktur oder eine angepasste Steuerungssoftware, sondern der Mensch und seine Selbsterfahrung stehen im Mittelpunkt des Geschehens und damit auch des Projektmanagements. Dies macht den Blick auf diesen Projekttyp besonders interessant.


Abb. 1: Gipfelfoto auf dem Kilimandscharo im September 2008

So hat sich die Projektmanagementliteratur in den letzten Jahrzehnten vorwiegend mit den „technischen“ Aspekten der Disziplin und hier insbesondere den Prozessen, Methoden und Tools beschäftigt. Die „menschliche“ Seite des Projektmanagements hat in den letzten Jahren zwar auch an Bedeutung hinzugewonnen, dabei wurden aber vor allem die unterschiedlichen Rollen und die notwendigen Fähigkeiten von Projektmanagern und ihren Mitarbeitern behandelt. Der Mensch ist in diesem Verständnis „Mittel zum Zweck“, ausführendes Organ und in der Regel weitgehend fremdbestimmt. Er hat seine Aufgabe im Dienste des Projektes zu erfüllen, um die vom Auftraggeber (intern oder extern) gesetzten Ziele zu erreichen. Persönliche Wünsche, Ziele und Bedürfnisse müssen weitgehend zurückgestellt bzw. den Projektzielen untergeordnet werden.



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