PM Forum 2010 mehrWERTprojektmanagement. Chancen zum Wachsen nutzen


Romualdas Ginevicius, Thomas Hausmann, Schlomo Schafir: Projektmanagement-Einführung
Deutscher Betriebswirte-Verlag 2004, 210 Seiten, ISBN: 9783886401116.


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Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2009, Seite 45. Alle Rechte vorbehalten.
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Manche Autoren und Verlage wollen es immer noch nicht wahrhaben. Projektmanagement-Lehrbücher müssen heute strenger beurteilt werden als vor 25 Jahren. Das Buch von Romualdas Ginevicvius (Rektor der Vilnius Gediminas Technical University), Thomas Hausmann (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Stralsund) und Schlomo Schafir (Professor an der Fachhochschule Stralsund) ist das, was ich – mit Einschränkungen – ein braves Werk nennen möchte. 1984 hätte ich es noch in Maßen gelobt, heute ist das nicht mehr angebracht. Der Grund ist einfach: Die Publikation bietet so gut wie nichts, was nicht damals auch schon bekannt gewesen wäre. Das umfangreiche Literaturverzeichnis, das eine Fülle von respektablen Veröffentlichungen bis zum Jahr 2004 enthält, lässt zunächst auf eine gewisse Aktualität des Inhalts schließen. Diese Hoffnung wird aber bald zerstört. Offensichtlich wurde die Liste nur angegeben, um den Leser zu beeindrucken. Jedenfalls kann man nicht erkennen, dass zum Beispiel eines der besten deutschsprachigen Lehrbücher (Patzak und Rattay) irgendeinen Einfluss gehabt hätte. Nicht dass das Werk der drei Verfasser sehr viele Fehler enthalten würde – falsch ist allerdings zum Beispiel die Charakterisierung von Programmen als „Synonym für sich ständig wiederholende Projekte“ (S. 12) –, nein, die gebotenen Informationen sind durchweg richtig, allerdings ist die Zeit an der Publikation vorbeigegangen. Auch ein Anfänger hat ein Recht darauf, etwas über Multiprojektmanagement zu hören oder zu lesen, und zu erfahren, dass die Einführung von Projektmanagement in Organisationen in der Regel auf erhebliche Widerstände stößt und wie man damit umgeht, wenn man ein Kapitel über die Implementierung schreibt. Auch über Vorgehensmodelle sollte etwas zu erfahren sein, von anderen Inhalten, die ich im 21. Jahrhundert für obligatorisch halte, ganz zu schweigen. Statt also einigermaßen aktuellen Stoff zu bieten, wird auf zehn Seiten, didaktisch nicht gerade umwerfend, eine ausführliche Darstellung der Netzplantechnik geboten. Ein Verweis auf andere Bücher hätte hier genügt. Apropos Netzplantechnik: Es fällt mir mehr und mehr auf, dass Autoren sich zwar bemüßigt fühlen, darüber zu schreiben, mit der Methode aber nicht richtig vertraut sind. Im vorliegenden Fall beschränken sich die Ausführungen auf die Darstellung von Normalfolgen, ohne andere Arten von Anordnungsbeziehungen auch nur zu erwähnen. Außerdem werden Vorgänge und Vorgänger miteinander verwechselt. Auch bei anderen Themen sind die Autoren nicht immer sicher in der Terminologie. So findet sich auf S. 84 für Projektstrukturplan der Ausdruck „Projektstrukturdiagramm“. Unverständlich bleibt eine Seite weiter die folgende Aussage: „Als Arbeitselemente (auch Subaufgaben) wird eine Aktivität bezeichnet, die notwendig ist, um eine Aufgabe zu beenden“. Auch andere Formulierungen sollten Hochschullehrern nicht unterlaufen, so der Satz auf S. 86: „Projektziele, häufig synonym verwendet mit dem engl. Deliverables“ und die weitere logisch schlicht falsche Bemerkung (S. 143): „Ziel: Maximale Qualität des Ergebnisses bei minimalen Kosten und minimaler Dauer“. Positiv zu bewerten sind die zahlreichen Checklisten am Schluss.
Mein abschließendes Urteil: Ein typisches Me-too-Produkt, das dem Käufer kein auch nur annähernd zutreffendes Bild vom derzeitigen Entwicklungsstand der Disziplin „Projektmanagement“ gibt.
Und schließlich ein Rat an Verlage, die vorhaben, ein Projektmanagement-Lehrbuch auf den Markt zu bringen. Nutzen Sie die Erfahrung der GPM. Hier gibt es so viele Fachleute, die völlig neutral, honorarfrei und ohne eigene Interessen zu verfolgen ein eingereichtes Manuskript mit anonymem Verfasser überprüfen. Die Gesellschaft käme mit einer solchen Tätigkeit auch ihrem Satzungsauftrag nach.



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