Von Heinz Schelle

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2009, Seite 2. Alle Rechte vorbehalten.
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Bevor im Februar 1970 die Norm DIN 69900, Blatt 1 „Netzplantechnik, Begriffe“ erschien, die vor allem Struktur- und Zeitbegriffe enthielt, herrschte auf dem Gebiet Projektmanagement, damals zumindest in Deutschland, nicht in den USA, weitgehend gleichbedeutend mit Netzplantechnik, die babylonische Sprachverwirrung. Ich erinnere mich noch daran, dass es allein für den Terminus „Puffer“ folgende Begriffe gab: Slack, Float, Zeitreserve, Zeitpuffer, Schlupf, Schlupfzeit, Spielraum. Ähnliche Verwirrung herrschte bei anderen Termini. Die Arbeit des Normenausschusses trug sehr viel zur Klärung bei und erleichterte die Verständigung, auch wenn man später mit manchen Termini, insbesondere auf dem Gebiet der Kostenplanung und -verfolgung, nicht immer ganz glücklich sein konnte. Es gab damals noch eine Reihe von Gegnern der Normung von Begriffen, einige haben, wie in diversen Büchern nachzulesen, bis heute überlebt. Andere, die sich bemüßigt fühlen, Projektmanagementbücher zu schreiben, kennen sie überhaupt nicht. Bei der überwältigenden Mehrheit der Betroffenen ist allerdings ihr Nutzen völlig unumstritten. Das ist auch der Kreis, der die neuen Projektmanagementnormen, über die Gernot Waschek, ein Vorreiter der Normung, und Reinhard Wagner in diesem Heft berichten, mit Freude begrüßen dürfte. Die Normen „fördern mit einer einheitli chen Begriffswelt und den aufgezeigten Konzepten das gemeinsame Verständnis der Beteiligten und unterstützen die betroffenen Organisationen bei der Einrichtung und Synchronisation von Prozessen, Methoden und Projektmanagementdaten“, so die Verfasser. Mich begeistern vor allem das Daten- und Prozessmodell. Letzteres hat bereits jetzt internationale Anerkennung gefunden.

Ein großer Fortschritt sind auch die auf der Grundlage der IPMA Competence Baseline 3.0 erstellten deutschsprachigen National Competence Baselines für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die von Hans Knöpfel, Brigitte Schaden und Werner Schmehr vorgestellt werden. Auch wenn aus meiner Sicht noch Spielraum für Optimierung besteht, so dienen sie doch einer ganzen Reihe von wichtigen Zwecken. Dabei steht sicher an erster Stelle das Assessment der Kompetenz von Projekt-, Programm- und Portfoliomanagern.

Zu den bedeutsamen Standards zählt auch das Vorgehensmodell HERMES. Die schweizerische Bundesverwaltung hat es entwickelt. Seit 2007 ist es als offizielle Projektführungs- und Steuerungsmethode in der IKT (Informations- und Kommunikationstechnik)-Strategie Bund aufgeführt. Hélène Mourgue d’Algue, die Verantwortliche für die HERMES-Methode im Informatikstrategieorgan Bund, stellt das Modell, das für die Projekttypen-Systementwicklung und -Systemadaption erarbeitet wurde, vor.

Einen zweiten Schwerpunkt bilden zwei Beiträge zum Wissensmanagement in Projekten. Oliver Steeger ist es gelungen, zwei sehr wichtige Anwendungen auf zutun. Die Projekte, die geschildert werden, sind sich sehr ähnlich. Sowohl bei E.ON als auch beim Kraftwerk Obrigheim des Energiekonzerns EnBW geht es um den Rückbau von Kernkraftwerken und die Aufbereitung des dabei nötigen Wissens, nicht nur für die aktuellen Vorhaben, sondern auch für künftige Rückbauprojekte. Ernüchternd ist ein drittes Interview in dieser Ausgabe. Michael Streng kommt aufgrund einer explorativen Studie zu dem Ergebnis: Der Mittelstand steht in Sachen Projektmanagement dort, wo Großunternehmen vor 20 Jahren standen – nämlich ganz am Anfang.

Erfreulicherweise kommen auch zunehmend Beiträge, die von Gruppierungen der GPM erarbeitet wurden. Dazu zählen in diesem Heft der Aufsatz von Jörg Seidl (Effizienz versus Effektivität im Multiprojektmanagement) und der von Thomas Dietmüller und Johannes Wille zur Analyse von Projektdaten. Die beiden zuletzt genannten Autoren weisen an einem Fall aus dem Qualitätsmanagement eindrucksvoll den Nutzen der in Deutschland im Gegensatz zu den USA noch immer stiefmütterlich behandelten parametrischen Analysen nach. Dass die Entwicklung von Projektmanagementsoftware noch lange nicht ausgereizt ist, zeigt Mey Mark Meyer am Beispiel MindManager 8/JCV Gantt Pro 3. Das Tandem aus beiden Tools eröffnet die Möglichkeit, die Funktionen von Mindmaps mit denen von Terminprogrammen zu kombinieren.


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