Von Georg Disterer, Matthias Rose
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2009, Seite 16 - 26. Alle Rechte vorbehalten.
Die Anwendungsentwicklung und der IT-Betrieb sind organisatorische Bereiche, die inhaltlich primär über nicht funktionale Anforderungen verknüpft werden. In diesen Anforderungen wird formuliert, welche technischen Randbedingungen und Beschränkungen in Projekten zur Anwendungsentwicklung einzuhalten sind, um die reibungslose Inbetriebnahme der Anwendungen sowie deren stabilen und effizienten Betrieb zu sichern. Allerdings sind nicht funktionale Anforderungen häufig vage und missverständlich formuliert. In der Folge treten bei Inbetriebnahme und Betrieb neuer Anwendungen Probleme auf. Daher sollte die Koordination zwischen Projekten der Anwendungsentwicklung und dem Betrieb verstärkt werden. Dafür werden ITIL(= Information Technology Infrastructure Library)-konforme Prozesse basierend auf Quality Gates vorgeschlagen und ein Prototyp zur Steuerung und Kontrolle der Koordination vorgestellt.
Einleitung
Die Unterstützung von Geschäftsprozessen durch Anwendungen muss zugleich gezielt und flexibel gestaltet werden. Zu den Zielen der IT-Unterstützung gehören Verbesserungen der Produktivität der Benutzer und der Effizienz der Ressourcennutzung. Dabei muss die IT-Unterstützung der Geschäftsprozesse flexibel sein, um auf geänderte Kundenanforderungen oder Marktsituationen schnell durch Anpassungen der Geschäftsprozesse reagieren zu können. Zur Verfolgung dieser Ziele hat die Entwicklung und Inbetriebnahme geeigneter Anwendungen effektiv, methodisch und zügig zu erfolgen, um die Qualität der IT-Unterstützung zu sichern und um Anwendungen zeitnah geänderten Geschäftsprozessen anzupassen. Jedoch liegen zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme neuer Anwendungen häufig folgende Probleme vor:
- Projekte der Anwendungsentwicklung liefern Ergebnisse verspätet ab, sodass Zeitdruck herrscht, um ursprüngliche Zeitplanungen noch einzuhalten.
- Anwendungen erfüllen die an sie gestellten Anforderungen nicht vollständig.
- Die Inbetriebnahme von Anwendungen bedeutet schwerwiegende Eingriffe in die Routinen des ITBetriebs und gefährdet deren Stabilität und Zuverlässigkeit.
Die Inbetriebnahme neuer Anwendungen stellt insbesondere eine Herausforderung dar, weil die Anwendungen in die technischen Umgebungen einzupassen sind, in denen sie betrieben werden sollen. Wenn die dafür notwendigen Abstimmungen zwischen Entwicklungs- und Betriebsverantwortlichen nicht oder nicht vollständig gelingen, wird zusätzlicher Arbeits- und Zeitaufwand notwendig, um die Betriebsbereitschaft der Anwendungen herzustellen. Daher sollten alle Anforderungen, die aus Sicht des IT-Betriebs an Anwendungen zu stellen sind, möglichst während des Entwicklungsprojekts vollständig identifiziert und umgesetzt werden, um Zusatzaufwand bei der Inbetriebnahme der Anwendungen zu vermeiden.

Abb. 1: Funktionale und nicht funktionale Anforderungen
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