Von York Rössler, Frank Elebracht
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2008, Seite 40 - 44. Alle Rechte vorbehalten.
Das Teambuilding-Modell von Tuckman - bestehend aus den Phasen Forming, Storming, Norming, Performing - beschreiben zahlreiche Projektmanagementpublikationen als natürlichen Prozess der Entstehung eines neuen Projektteams. Entstehung, Austragung und Lösung von Konflikten werden dabei als unabdingbar für das Zusammenwachsen des neu zu schaffenden Teams erachtet. Die offene Austragung von Konflikten, die es impliziert, führt im lateinamerikanischen Kulturkreis jedoch unter den Projektmitarbeitern zu einer dauerhaften Störung der Vertrauensbasis. Deshalb sind alternative Ansätze für das Teambuilding zu verfolgen, die der konfliktaversen Grundhaltung in Lateinamerika Rechnung tragen.
Teams und Projekte
Die Definition des Begriffs "Projekt" ist nicht unumstritten. Sowohl Madauss als auch Dülfer haben eine beträchtliche Anzahl definitorischer Ansätze zusammengetragen und diese miteinander verglichen. Interessanterweise wird die Durchführung der Projektarbeit im Teamverbund, also arbeitsteilig, jedoch nur selten als typisches Merkmal eines Projekts angeführt. Da Projekte wegen ihrer Komplexität und Interdisziplinarität immer das Zusammenwirken mehrerer Projektmitarbeiter vor aus setzen, lässt sich die soziale Interaktion im Projektteam als weiteres Definitionsmerkmal eines Projekts postulieren.
Zu Recht führt Verma an, dass Teams und Gruppen deutliche Unterschiede aufweisen. Gruppen vereinigt man unter administrativen Gesichtspunkten an einem Ort, ihre Mitglieder arbeiten weitgehend unabhängig und sind nicht in den Prozess der Zielsetzung und Entscheidungsfindung einbezogen. Teams hingegen werden zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels zusammengestellt, und ihre Mitglieder haben eine gemeinsame Mission, der sie sich verpflichtet fühlen sollten und die sinnstiftend auf ihre Arbeit wirkt. Die Teammitglieder sind aktiv an der Formulierung von Zielen und dem Treffen von Entscheidungen beteiligt. Sie verlassen sich auf einander, persönliche Interessen und Machtstreben des Einzelnen treten hinter die Interessen des Teams zurück. Darüber hinaus organisieren sich Teams selbst, geben sich implizite oder explizite Regeln und entwickeln Standards für die gemeinsame Kommunikation. Dadurch arbeiten sie im Idealfall eng verzahnt und hocheffizient zusammen.
Der Weg zum Projektteam
Teams bewegen sich also im Vergleich zu Arbeitsgruppen auf einer höher entwickelten Ebene sozialer Interaktion, die zu einer deutlichen Leistungssteigerung führt. Somit schafft erst ein funktionierender Teamverbund die Voraussetzungen zur Bewältigung von Projekten mit anspruchsvollem Inhalt und begrenztem Zeitbudget. Ziel des Projektleiters muss es deshalb sein, aus den einem Projekt zugeteilten Mitarbeitern ein Team zu formen, um so das Projekt zum Erfolg zu führen.
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