Projektleiter Ulrich R. Schönfeld über den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 5/2008, Seite 3 - 12. Alle Rechte vorbehalten.
Über fünf Jahrzehnte fehlte die markante, glockenförmige Kuppel der Frauenkirche in der Stadtsilhouette Dresdens. Anfang der Neunzigerjahre dann der Plan zu einem kühnen Projekt: Buchstäblich aus Ruinen sollte die barocke Frauenkirche wieder auferstehen. Originalgetreu rekonstruiert, bis zur Turmspitze über 90 Meter hoch, finanziert größtenteils durch private Spendengelder. Hinter der Projektmeisterleistung stand ein Team der Planungsgesellschaft "IPRO Gesellschaft" in Dresden unter den Projektmanagern Dr. Karl-Heinz Schützhold und Ulrich R. Schönfeld. Drei Jahre nach Abschluss des Projekts kamen die beiden Baumeister zu Ehren: Die GPM verlieh ihnen im Juni 2008 den "Roland Gutsch Project Management Award", die höchste deutsche Auszeichnung für Projektmanager (siehe Bericht auf Seite 13 f.). Im Gespräch berichtet Ulrich R. Schönfeld über das Projekt, über technische Herausforderungen, Terminplanung, den Umgang mit Stakeholdern und die Frage, wie man alle Beteiligten mit dem "Geist eines Baumeisters" beseelen kann. )

Ulrich R. Schönfeld (rechts)
und Dr. Karl-Heinz
Schützhold vor der
wiederaufgebauten
Frauenkirche
(Foto: Ralf U. Heinrich)
Herr Schönfeld, selten ist ein Bauprojekt den Menschen so nahegegangen wie der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Als die neuen Glocken der Frauenkirche im Jahr 2003 erstmals läuteten, sollen vielen Dresdnern die Tränen in den Augen gestanden haben. Zur Kirchenweihe zwei Jahre später kamen sechzigtausend Menschen zusammen, der Neumarkt war überfüllt; zehntausende Fernsehzuschauer verfolgten die Festlichkeiten. Solche Popularität ist für ein Bauprojekt außergewöhnlich.
Ulrich R. Schönfeld: Der Wiederaufbau der Frauenkirche löste tatsächlich eine enorme emotionaleWirkung aus, große Anteilnahme und private Unterstützung, mit der wir anfangs nicht rechnen konnten.
Die Spenden kamen ja nicht nur aus Deutschland ...
Sie kamen aus aller Welt. Die Briten beispielsweise spendeten das Kuppelkreuz, es wurde geschmiedet von dem Sohn eines Bomberpiloten, der im Februar 1945 Angriffe auf Dresden geflogen hatte. Viele Spender haben ihren Beitrag zum Wiederaufbau auch als Geste ihres Friedenswillens und ihrer Bereitschaft zur Versöhnung verstanden.
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