Von Christof Stumpf
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2008, Seite 24 - 28. Alle Rechte vorbehalten.
In Anlehnung an die Diskussionen hinsichtlich der HOAI-Novellierung untersucht das Fach gebiet Bauwirtschaft und Baubetrieb der Technischen Universität Berlin seit einiger Zeit die Möglichkeit, notwendige Planungstätigkeiten für den baulichen Leistungs- erstellungsprozess einer Immobilie ganzheitlich darzustellen. Die wissenschaftliche Untersuchung berücksichtigt neben aktuellen Einflussfaktoren auf die Bauplanung neue Entwicklungen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft. Das entwickelte Modell soll zum einen das Projektmanagement unterstützen, Planungsleistungen zielgerichtet zu beauftragen und zum anderen Hilfestellungen bei der Zusammenstellung der am Bau beteiligten Fachplaner und Unternehmen geben.
Aktuelle Situation im Planungswesen
Immobilien bilden schon seit jeher die räumliche Dimension des betrieblichen Leistungs- erstellungsprozesses oder die Investition einer Kapitalanlage. Der wirtschaftliche Projekterfolg steht, wie auch in anderen Wirtschaftsbereichen, daher immer im Vorder- grund und ist deshalb für Bauherr, Nutzer oder Investor von zentraler Bedeutung – dies besonders auch in Zeiten von Kostendruck und ausgeprägtem Renditedenken.
Um den Projekterfolg sicherzustellen und die Risiken zu reduzieren, entwickelten sich in den letzen Jahrzehnten unterschiedliche Vertrags- und Organisationsmodelle. Gesetze, Regelwerke und Normungen taten ihr Übriges. Diese Entwicklungen führten unter anderem zu einem Anstieg der Planungskomplexität, sodass Leistungsbilder, früher durch ein Planungsbüro abgedeckt, heute auf mehrere verteilt werden. So kommen bei Immobilien-projekten fast immer mehr als vierzig unterschiedliche Fachplaner zum Einsatz. Dies hat zur Folge, dass die Leistungsbilder (Schnittstellen) der Planer exakter beschrieben und voneinander abgegrenzt werden müssen, um zum Beispiel notwendige Ergänzungen auszuschließen. Neben der HOAI erschienen daher Leistungsbilder vom Deutschen Verband der Projektsteuerer e.V. (DVP), vom Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für Honorarordnung e. V. (AHO), vom Deutschen Verband für Facility Management e. V.(GEFMA) und weiterer Verbände bzw. Institutionen. Dieser Prozess ist leider bis heute noch nicht abgeschlossen, sodass im Planungsbereich weiterhin Überschneidungen oder Leistungslücken entstehen (Abb. 1 und 2).

Abb. 1: Überschneidung von Planungsbereichen
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