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Interkulturelle Missverständnisse verursachen Projektprobleme in China

Von Oliver Steeger

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2008, Seite 9 - 12, Seite 53. Alle Rechte vorbehalten.
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China ist den meisten Projektmanagern ein Rätsel. Bei ihrem Einsatz im „Reich der Mitte“ sammeln sie häufig alles andere als gute Erfahrungen. Bei Verhandlungen, so heißt es, sind Chinesen zäh und wenig verläss- lich. Chinesische Mitarbeiter kann man schlecht führen, und sie reagieren mimosenhaft auf Kritik. Man sagt, sie seien kühl, unberechenbar und häufig illoyal. „Ein großes Missverständnis“, behauptet die Münchner China-Expertin Ruth Schaefer, die mehrere Jahre in China gelebt hat. Sie weiß: Viele Probleme sind durch die unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Kulturen verursacht. Seit 1996 als interkulturelle Trainerin und Beraterin tätig, baut Ruth Schaefer Brücken zwischen Deutschen und Chinesen. Kennen deutsche Projektmanager die Spielregeln, sind Projekte in China kaum noch ein Abenteuer.

Der chinesische Philosoph Konfuzius hat empfohlen, man möge einen Meister nachahmen, um so zu werden wie er. Heute stehen die Chinesen im Ruf, gerne und viel westliche Unternehmen nachzuahmen und dabei auch Produkte zu kopieren. Mangelndes Unrechtsbewusstsein wird immer wieder beklagt – ein eher interkulturelles statt wirtschaftspolitisches Problem?

Ruth Schaefer: Der Konfuzianismus hat die Art und Weise, wie Chinesen lernen, in der Tat sehr stark geprägt. Man lernt durch Nachahmen, und erst dann, wenn man es zur Meisterschaft gebracht hat, entwickelt man eigene Ideen. Chinesen achten die Qualität unserer Produkte, und deshalb wollen sie von uns lernen.

Es schmeichelt ja, gewissermaßen Vorbild für viele Chinesen zu sein. Problematisch wird es, wenn westliche Produkte zur Blaupause für eigene Produkte werden.

Man muss sich hüten, in Schubladen zu denken. Es wäre Unsinn, das Verhalten der Chinesen direkt auf einen Philosophen zurückzuführen oder alle Chinesen in die gleiche Schublade stecken zu wollen. Tatsache aber ist: Die chinesische Kultur nachahmenden Lernens fördert eher das Kopieren, als dass sie dies hemmt. Gleichwohl gilt, dass China sich verpflichtet hat, Patente und anderes geistiges Eigentum zu schützen.

Viele Projektmanager befürchten bei ihrem Einsatz in China eben diesen Verlust an Know-how – man möge dies Lernen nennen, mangelnde Fairness oder Produktpiraterie.

Diese schlechten Erfahrungen haben oft auch ganz andere Gründe, die nichts mit der Lernmentalität des Nachahmens zu tun haben.



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