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Von Thor Möller

© GPM-Magazin PM Aktuell-2008, Seite 60- 61. Alle Rechte vorbehalten.
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Draußen zieht täglich eine Vielzahl von Schiffen vorbei, von der kleinen Personenfähre bis hin zu den Containerriesen mit über 3.500 Containern an Bord auf dem Weg in den Hamburger Hafen und zurück in die weite Welt. Drinnen, im Tagungshotel, sitzen am 13. und 14. Februar 2008 über 90 Projektportfolio- und Multiprojektmanager namhafter Unternehmen. Ihre Aufgabe ist es, die steigende Anzahl großer und kleiner Projekte in ihrem Unternehmen so zu steuern, dass bei begrenzten Ressourcen und weiteren Rahmenbedingungen die richtigen Projekte ausgewählt, konsequent umgesetzt und abgeschlossen oder auch abgebrochen werden. Sie tauschen sich intensiv über ihre Erfahrungen und Strategien zum Projektportfolio- und Multiprojektmanagement aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass das PM-Institut unter Leitung von Prof. Hasso Reschke zu diesem Thema einlädt. Bereits seit 2004 findet jährlich eine Expertentagung zu diesem Thema statt – mit großem Erfolg! Als Kooperationspartner sind wiederum die GPM und Campana & Schott aufgetreten.

Die stark steigende Bedeutung der Thematik in den letzten Jahren lässt sich auch ausnahmslos aus den zwölf Vorträgen erkennen. Viele Unternehmen haben die Bedeutung zwar erst in den letzten fünf bis zehn Jahren erkannt, dann aber schnell recht wirksame Systeme zur Auswahl und Überwachung der Projektlandschaft entwickelt. Und eines kommt dabei immer wieder heraus: Projektmanagement entwickelt sich mehr und mehr zu einem Thema für die Vorstandsetagen.

Einleitend stellt Prof. Hans Georg Gemünden von der TU Berlin die Erfolgsfaktoren des Multiprojektmanagements basierend auf einer empirischen Studie mit Unterstützung der GPM aus dem Jahr 2007 vor. Die beeindruckenden wissenschaftlichen Ergebnisse bieten eine hervorragende Basis für die nun folgenden Praktikervorträge. So lernen die Teilnehmer die Projektportfolio- und Multiprojektmanagementsysteme u.a. von Vaillant, Motorola, Mercedes-Benz Bank, Fraport, Austrian Airlines und mehreren großen Versicherungsunternehmen kennen. Die Referenten stellen sowohl ihre Erfolgsfaktoren als auch ihre gelernten Lektionen vor und geben dem Fachpublikum viele praktische Hinweise.

Unter anderem werden folgende Fragestellungen intensiv diskutiert:

  • Wie ermittelt man die anstehenden Projekte in einem Unternehmen?
  • Welche Projekte übernimmt man in das Portfolio, welche nicht?
  • Wie sortiert man Projekte aus dem Portfolio aus?
  • Wie kann man Abhängigkeiten/Vernetzungen von Projekten erkennen und deutlich machen?
  • Wie kategorisiert man Projekte?
  • Wie werden Projekte priorisiert?
  • Wie verändert sich das Projektportfolio?
  • Welches sind die Erfolgsfaktoren und Fallstricke?
  • Wie ermittelt und verfolgt man den Nutzenbeitrag der einzelnen Projekte?
  • Welche Bedeutung haben erfolglose Projekte und wie misst man den Nutzen eines Projektabbruchs?
  • Wie lassen sich die Ressourcen projektübergreifend optimal steuern?
  • Sind Engpasskapazitäten die entscheidende Größe zur Prioritätensetzung oder müssen inhaltliche Verknüpfungen stärker berücksichtigt werden?
  • Wie können Synergien und Symbiosen zwischen Projekten erkannt und kenntlich gemacht werden?
  • Wie funktioniert ein wirkungsvolles Controlling der Projektlandschaft?

In umfangreichen Vorträgen und Diskussionen können die Teilnehmer Antworten auf ihre Fragen finden.

Der Tagungsort auf der ehemaligen Elbinsel Hamburg-Finkenwerder war nicht zufällig gewählt. Neben dem atemberaubenden Blick auf die Elbe werden auf der anderen Seite des Hotels die größten Flugzeuge gebaut. Auf einem riesigen Areal produziert und montiert das Unternehmen Airbus mit rund zwölftausend Mitarbeitern an diesem Standort große Teile der Airbus-Flugzeugflotte, auch den Airbus A 380. Der Werkleiter stellt den Tagungsteilnehmern das Unternehmen und den Standort vor.

Anschließend berichtet Philippe Rolland, Head of Airbus Project Management und extra aus Toulouse angereist, über das Projektportfolio- und Multiprojektmanagement bei Airbus. Die hochkomplexen Flugzeuge, besonderen Sicherheitsbedingungen und die internationale Aufstellung des Unternehmens bilden für das Projektportfolio- und Multiprojektmanagement enorme Schwierigkeitsgrade.

Mit diesen Hintergrundinformationen gehen die Teilnehmer dann zur Werkbesichtigung. Airbus bietet den Teilnehmern bei der Werkbesichtigung einen besonderen Einblick in die Fertigung von mittleren und Großflugzeugen mit modernsten Produktionsmethoden und be sonderen logistischen Herausforderungen. Dabei dürfen die Tagungsteilnehmer exklusiv und anders als übrige Besuchergruppen direkt in die Hallen gehen und alles hautnah erleben.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Projektportfolio- und Multiprojektmanagement rasant an Bedeutung gewinnt. Es ist nicht mehr nur wichtig, die einzelnen Projekte mit Projektmanagement professionell umzusetzen. Zu nächst müssen die richtigen Projekte ausgewählt und aufgrund der begrenzten Kapazitäten die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Dann müssen die Projekte übergreifend überwacht und gesteuert werden. Insbesondere erfolglose Projekte müssen frühzeitig erkannt und wieder in Fahrt gebracht oder ggf. schnell abgebrochen werden. Die Projektportfolio- und Multiprojektmanager sehen sich heutzutage ganz neuen Herausforderungen ausgesetzt. Sie haben weniger mit dem Managen eines einzelnen Projekts zu tun, sondern vielmehr mit klassischen Linienaufgaben zu tun.

Die Expertentagung „Projektportfolio- und Multiprojektmanagement“ war wie gewohnt ausgezeichnet or ganisiert. Für die Teilnehmer und Referenten war sie ein voller Erfolg. Nach zwei sehr intensiven Tagen haben alle mit viel Bestätigung ihrer eigenen Leistungen und einer Menge neuer Ideen und Anreize im Gepäck zufrieden die Heimreise angetreten. Es stecken in fast allen Unternehmen noch sehr viele Potenziale im Projektportfolio- und Multiprojektmanagement.



---> Zum Inhaltsverzeichnis von PMaktuell - Heft 3/2008

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