Von Manfred Saynisch

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2008, Seite 58- 59. Alle Rechte vorbehalten.
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Das „ICAN Research Centre“ an der „University of Technology in Sydney UTS“ (Australien) hat Manfred Saynisch, Leiter der GPM Fachgruppe „Neue Wege im PM“ und Mitglied des neu gegründeten Forschungsbeirats, zu seiner diesjährigen Projektmanagementkonferenz eingeladen. Man war an Einzelheiten zu dem Thema des Projektmanagements 2. Ordnung (PM-2) und seinem Potenzial interessiert, Komplexität in Projekten zu meistern. Für diese Ansätze wurde in Krakau der IPMA Research Award 2007 verliehen (siehe Interview in projekt-MANAGEMENT aktuell 4/2007).

Die zahlreich angereisten Wissenschaftler und Praktiker aus Afrika, Amerika, Asien, Europa und Ozeanien verfolgten den Vortrag mit großem Interesse und diskutierten das Gehörte intensiv und zustimmend. Zum Themenkreis des PM-2 wurden auch weitere Vorträge gehalten. So berichtete Prof. Shankar Sankaran (UTS) mit seinem Team über die Interpretation von Komplexität in einer IS-Projektumgebung mittels Chaostheorie. Prof. Svetlana Cicmil von der „University of the West of England“ (Bristol) analysierte mit weiteren namhaften Koreferenten den Zusammenhang von Projektkomplexität und dem Paradox im Projekt-Controlling. Ungewohnt für deutsche Verhältnisse war der hohe Anteil von Frauen mit qualifizierten Referaten.

Auch andere Themen, die mehr dem traditionellen Ansatz des Projektmanagements zuzurechnen sind, wurden in den Streams wie

  • Project Rationality and Realities,
  • Project Relations and Consternations,
  • Project Modalities und
  • Project Complexities

in oft origineller Weise mit guter theoretischer Fundierung in insgesamt zwanzig Vorträgen und Workshops behandelt. Beispielsweise stellte Kosheek Sewchurran von der University of Cape Town in Südafrika Heideggers Konzept von "Sein und Zeit" in Relation zu der PMBoK-Anwendung, um neue Ausbildungskonzepte zu entwickeln.

Vertreter von deutschen Hochschulen waren in dieser kreativen Community leider nicht anwesend. Aber dafür nahm ein Doktorand von BMW teil, Klaus Niebecker, der derzeit an der UTS in Sydney promoviert und auch in der GPMFachgruppe Automotive tätig ist. Er berichtete über eine strategiebasierte Scorecard für Cross Company PM. Auf der Konferenz wurde auch eine neue internationale Zeitschrift für das Projektmanagement vorgestellt, das "International Journal of Managing Projects in Business" (www.emeraldinsight.com/info/journals/ijmpb/ijmpb.jsp). Die erste Ausgabe wird Anfang 2008 erscheinen. Die Konferenzpapers werden in dieser Zeitschrift abgedruckt.

In Australien laufen seit einigen Jahren Entwicklungstätigkeiten zu Themen, die bereits in den letzten 15 Jahren in dem Forschungsprogramm „Neue Wege im PM“ untersucht wurden (www.gpm-ipma.de/docs/showsite.php?menu=0102040119). Der Fokus liegt hierbei auf „Complex Project Management“. In diesem Zusammenhang wurde auch der „Competency Standard for Complex Project Managers (CSCPM)“ entwickelt und das „College of Complex Project Managers (CCPM)“ gegründet. Das australische und englische Verteidigungsministerium sowie namhafte große und internationale Rüstungsunternehmen (wie Boeing) sponsern diese Tätigkeiten. Da der Initiator dieser Tätigkeiten, Dr. Dombkins, inzwischen auch Vorstand des Australian Institute of Project Management(AIPM) ist, behandelt AIPM dieses Thema ebenfalls und hat eine Fachgruppe dazu gegründet.

Mit Stephen Hayes, CEO des CCPM und Executive Director im australischen Verteidigungsministerium, führte Manfred Saynisch ein ausführliches Gespräch zu diesem Thema. Dabei stellten sie zwischen beiden Ansätzen, dem PM-2 und dem CSCPM, ein hohes Synergiepotenzial fest und besprachen die Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit.

Die Gemeinsamkeiten beider Ansätze sind beispielsweise:

  • Beide Ansätze befassen sich mit einem Paradigmenwechsel im PM,
  • beide erkennen die Unfähigkeit des traditionellen Projektmanagements, komplexe Projekte zu meistern,
  • beide definieren Projektmanagement grundlegend neu.

Aber es gibt auch Differenzen. So ist beispielweise das Konzept des PM-2 ein generisches Modell, gültig für alle Projekttypen, während der CSCPM sich auf Großprojekte in der Verteidigung, IT und Infrastruktur konzentriert. PM-2 ist ein Referenzmodell mit schwerpunktmäßiger Darstellung von Prinzipien und das zentrale Ergebnis des Forschungsprogramms „Neue Wege im PM“. Der CSCPM behandelt mehr die Handlungsprozesse.

Hayes berichtete, dass man bereits eine Allianz mit der IPMA eingegangen ist. Auf dem nächsten IPMAKongress, der im November 2008 in Rom stattfindet, wird dieses Thema in einem gesonderten Stream behandelt (www.ipmaroma2008.it). Dort ist auch beabsichtigt, den Rahmen, der bisher nur Verteidigungsprojekte einbezieht, auf den zivilen Bereich auszudehnen und einen allgemeingültigen Standard zu entwickeln.

Die Fachgruppe „Neue Wege im PM“ wird dabei in Rom mitwirken und ihre Ergebnisse und Sichtweisen aus dem gleichlautenden Forschungsprogramm einbringen. Darüber hinaus sind noch weitere Kooperationen angedacht.

Die nächste IRNOP-Konferenz (IRNOP = International Research Network Organizing by Projects), eine maßgebliche Veranstaltung zur Wissenschaft vom PM, wird 2009 durch die GPM unter der Leitung von Prof. Gemünden in Berlin stattfinden (www.irnop.org/conferences). Die in Sydney anwesenden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wie auch Stephen Hayes waren begeistert von dem Vorschlag von Manfred Saynisch, bei dieser Konferenz auch einen Stream zum Thema „Komplexität“ einzurichten. Kontakt: info@spm-consult.de



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