Verborgene Projektpotenziale nutzen
Von Frank D. Behrend, Sonja Ellmann
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2008, Seite 24- 30. Alle Rechte vorbehalten.
„The best method to control something is to understand how it works” (J. Doyne Farmer)
Projekte stellen ein komplexes Geflecht sozialer, organisatorischer, fachlicher und politischer Strukturen und Prozesse dar. Mittels Organizational Network Analysis (ONA) kann eine Art „Röntgenbild“ von oftmals verborgenen Abhängigkeiten zum Beispiel im Bereich von Kommunikations-, Kooperations- und Entscheidungsstrukturen erstellt werden. Diese effiziente Methode hilft Entscheidern und Managern, die „richtigen“ Maßnahmen zu initiieren und deren Wirkung sowohl visuell zu dokumentieren als auch anhand von Kenngrößen zu bewerten.
Einleitung
Es existieren diverse Tools, Methoden und Systeme im Projektmanagement. Vernachlässigt man jedoch einmal die verschiedenen Variationen, so wird schnell klar, dass eine Reihe von Ansätzen im Kern eine lineare Abfolge von Aktivitäten darstellt. Jedoch entwickeln Projekte zuweilen ein Eigenleben, welches sich nicht an diese idealistischen Rahmenbedingungen hält. Besonders in verteilten und multikulturellen Projektumgebungen erreichen wichtige Informationen die Verantwortlichen zu spät oder gar nicht. Oftmals werden entscheidende Zusammenhänge und Tendenzen aufgrund der Komplexität und Dynamik eines Projekts bzw. dessen Umfelds nicht rechtzeitig wahrgenommen. Wie im „normalen“ Geschäftsumfeld auch, stellen informelle Beziehungen, Interaktionen und Netzwerke einen wesentlichen Erfolgsfaktor wissensintensiver Projekt arbeit dar.
Ein „einfaches“ Projekt, zum Beispiel die Errichtung eines Fertighauses, lässt sich in der Regel sehr effizient mittels hierarchischer Strukturen und standardisierter Abläufe realisieren. Bei einem eher komplexen Projekt, etwa der Renovierung einer denkmalgeschützten Immobilie oder bei Reorganisationsvorhaben, kann sich die Abwicklung deutlich chaotischer gestalten. In diesem Fall rücken Selbstorganisation und systemische Ansätze in den Vordergrund und ermöglichen zuweilen schnelle und höchst einfallsreiche Ergebnisse, vorausgesetzt, eine zielgerichtete Kommunikation und Zusammenarbeit relevanter Stakeholder ist sichergestellt. Nun liegen die meisten Projekte zwischen den beiden dargestellten Extremen – Netzwerke sind jedoch in allen Varianten existent.

Abb. 1: Vergleich von formaler Aufbaustruktur und informellem Kommunikationsnetzwerk (Quelle: ELIQOS)
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