„Fragezeichen hinter gängigen Managementroutinen tiefer setzen“
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2008, Seite 3-10. Alle Rechte vorbehalten.
Sie schöpfen Wasser mit einem Sieb – so fühlen sich viele Manager nach einem langen, nervenden Arbeitstag. Sie setzen neueste Management-Tools ein, verwenden ausgeklügelte Kontrollinstrumente, orientieren sich an Benchmarks und lernen von den Besten ihrer Branchen. Sie meinen es gut. Doch ihr Ziel bleibt wie eine Fata Morgana in weiter Ferne: das Projekt, das Unternehmen endlich in den Griff zu bekommen. Einigen Managern indes gelingt es, diesem Teufelskreis zu entkommen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Professor Hans A. Wüthrich von der Universität der Bundeswehr München hat sich mit ihnen beschäftigt. Ihr Geheimnis: Sie brechen bewusst mit selbstverständlich wirkenden Grundsätzen des Managements. Statt mehr Kontrolle wagen sie inspirierende Experimente – und nehmen dafür auch Widerstand in Kauf.

Univ.-Prof. Dr. Hans A. Wüthrich (52)
ist Inhaber des Lehrstuhls für In-
ternationales Management an der Uni-
versität der Bundeswehr München,
Lehrbeauftragter an den Universitäten
Hildesheim und St. Gallen sowie Partner
der B&RSW AG, Management Consul-
tants in Zürich. Unter den Management-
forschern zählt er zu den Querdenkern.
Als Co-Autor hat er mehrere Bücher ver
fasst, unter anderem: Die Rückkehr des
Hofnarren – Einladung zur Reflexion
nicht nur für Manager; Stillstand im
Wandel – Illusion Change Management;
Grenzen ökonomischen Denkens – Auf
den Spuren einer dominanten Logik;
Musterbrecher – Führung neu
leben. (Foto: privat)
Sie befassen sich mit den „Musterbrechern“ unter den Managern, also mit Führungskräften, die nicht den verbreiteten und anerkannten Schablonen des Verhaltens, Entscheidens, Steuerns und Kontrollierens folgen. Haben Sie es mit wilden Rebellen im Nadelstreifen - anzug zu tun?
Nein, überhaupt nicht. Die Musterbrecher, die wir kennengelernt haben, zeichnen sich durch Sensibilität, Achtsamkeit und Ehrlichkeit aus. Sie reflektieren ihr Verhalten sorgfältig, überwinden kollektiv akzeptierte Wahrheiten und halten ihre Identität durch. Sie probieren überraschende Managementalternativen aus, die man nicht erwartet hätte. Wir haben bei unserem Forschungsprojekt mit mehr als vierzig Musterbrechern gesprochen, darunter mit Dr. Notker Wolf, dem Abtprimas des Benediktinerordens, mit Gabriele Fischer, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins brandeins oder mit Vera Kamaryt, der Gründerin der Berliner Schule für Bühnenkunst …
… also mit anerkannten Persönlichkeiten, die über den Verdacht des Managementumsturzes erhaben sind.
Ganz gewiss! Gemeinsam ist ihnen beispielsweise persönlicher Mut. Ein unspektakulärer, zurückhaltender, gelassener und unaufdringlicher Mut zu Experimenten und auch zur Auseinandersetzung mit Widerständen.
Man wird Musterbrechern entgegenhalten wollen: Anders führen bedeutet nicht gleich besser zu führen. Weshalb nicht bei über Jahrzehnte Bewährtem bleiben?
Unsere Welt der Wirtschaft ist komplexer geworden, und dies bedeutet für Manager, dass sie mehr und besser mit Unschärfe, Unsicherheit, Optionalität und Dynamik umgehen müssen. Doch das Handeln dieser Manager steht heute im krassen Gegensatz zu dieser Entwicklung. Univ.-Prof. Dr. Hans A. Wüthrich (52) ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management an der Universität der Bundeswehr München, Lehrbeauftragter an den Universitäten Hildesheim und St. Gallen sowie Partner der B&RSW AG, Management Consultants in Zürich. Unter den Managementforschern zählt er zu den Querdenkern. Als Co-Autor hat er mehrere Bücher verfasst, unter anderem: Die Rückkehr des Hofnarren – Einladung zur Reflexion nicht nur für Manager; Stillstand im Wandel – Illusion Change Management; Grenzen ökonomischen Denkens – Auf den Spuren einer dominanten Logik; Musterbrecher – Führung neu leben.
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