Von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2008, Seite 2. Alle Rechte vorbehalten.

In unserer Disziplin gibt es eine Reihe von Grundsätzen, die oft gar nicht mehr explizit geäußert werden und über die nahezu allgemeiner Konsens in der Community herrscht. Man könnte sie fast schon Dogmen nennen. Dazu gehört etwa die Forderung, dass im Projektmanagement standardisiert werden muss und dass konsequentes Controlling unabdingbar ist. Wie die Diskussion der Gedanken Goldratts und anderer Autoren zeigt, ist auch die Notwendigkeit der Projektbeschleunigung noch weitgehend unumstritten, auch wenn sich hier, zum Beispiel angesichts der großen Rückholquoten in der Automobilindustrie, gele gentlich schon erste Zweifler melden. Prof. Wüthrich von der Universität der Bundeswehr in München ist mit zwei weiteren Mitstreitern angetreten, die erwähnten und andere Glaubenssätze der Führung, die auch in einigen Beiträgen dieser Nummer eine Rolle spielen, zu hinterfragen und durch Gegenentwürfe zu ersetzen. Oliver Steeger hat ihn dazu interviewt. Das Buch des Hochschullehrers (Wüthrich, H. A.; Osmetz, D.; Kaduk, S.: Musterbrecher. Führung neu leben), das große Aufmerksamkeit erregt hat, wird außerdem im Rezensionsteil besprochen. Beide Artikel lehren uns, auch ehrwürdige Bestandteile von Glaubenssystemen immer wieder zu hinterfragen. Um dazu auch weiterhin anzuregen, wollen wir in den nächsten Nummern noch eine Reihe anderer Autoren in Interviews zu Wort kommen lassen, die ebenfalls als „Musterbrecher“ aufgetreten sind. Damit hoffen wir auch für die Fachgruppe „Neue Wege im Projektmanagement“ Anregungen zu geben.
Ein bisher in der Literatur eher vernachlässigtes Thema, die Zusammenarbeit von Unternehmen in unternehmensübergreifenden Projekten, greifen Reinhard Wagner und Klaus Niebecker auf. Unklare Ziele, unzureichende Projektsteuerung und latentes Misstrauen im Umgang miteinander sind Probleme, die die beiden Verfasser bei derartigen Vorhaben identifizieren. Ihre Collaborative Project Scorecard, die sie vorstellen, soll die Schwierigkeiten abschwächen.
Mathias Scheiblich und Frank Speitelsbach („CRMProjekte zum Erfolg führen. Wertsteigerung durch Kundenorientierung“) zeigen, wie man CRM(= Customer-Relationship-Management)-Projekte, mit denen sich die Kundenorientierung erheblich verbessern lässt, in der Planung gründlich strukturieren und wie man ihren Fortschritt überwachen kann.
Dass Projektmanagement auch bei der Öffentlichen Hand, die zumindest in der Bundesrepublik noch weitgehend resistent gegen das Führungskonzept ist, mit Erfolg eingesetzt werden kann, ist zwar eine Trivialität, allerdings sind erfolgreiche Beispiele immer noch selten. Patrick Inglin demonstriert den Einsatz als Führungsund Steuerungsinstrument im öffentlichen Regionalverkehr. Für die erfolgreiche Abwicklung der Projekte, die das Verkehrsangebot des Kantons Schwyz im Regionalverkehr sicherstellen, wurde ein Projekthandbuch erarbeitet. Damit wird eine standardisierte Abwicklung gewährleistet.
Susanne Trutter und Uwe Haneke („Qualitätsmanagement in der regulierten Industrie. Eine Gegenüberstellung von CMMI und GAMP 4“) vergleichen die außerhalb der Pharmaindustrie wenig bekannte Richtlinie „Good Automated Manufacturing Practice“ für die Validierung automatisierter Systeme und CMMI und stellen die Frage, wie sie zusammenpassen.
Schließlich bespricht Mey Mark Meyer die Version 2.5 PSNext, eine Multi-PM-Lösung mit Portfolio-Management-Funktionalität. Ich selbst habe mir die Project Manager’s Knowledge Box, eine Art gut aufgeräumter Wissenstruhe für Projektbeteiligte, angesehen.