© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2007, Seite 58 - 59. Alle Rechte vorbehalten.
Die Veränderungen im Gesundheitswesen sind groß, und längst hat auch das Projektmanagement in den sogenannten HealthCare-Bereich Einzug gehalten. Zum Erfahrungsaustausch trafen sich vierzig Projektleiter, Multiprojektmanager und Portfoliomanager aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Medizintechnik, Medizinprodukte, CROs (Contract Research Organisations), Krankenhäuser und Kliniken.
Die GPM Fachgruppe „PM Health - Care“ unter Leitung von Dr. Matthias Schwabe hatte zu diesem Symposium anlässlich ihres einjährigen Bestehens eingeladen und acht Referenten für die Veranstaltung verpflichtet. Ein Ergebnis dieser Veranstaltung: Im HealthCare-Bereich gibt es – anders als in vielen anderen Branchen –sehr unterschiedliche Projektgrundarten und Vorgehensweisen im Projektmanagement. „Überraschend ist diese Erkenntnis nicht“, erklärt Dr. Matthias Schwabe, „doch das unter dem Titel ‚KennenLernen‘ stehende Symposium hat die Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich gezeigt.“ Die Fachgruppe sah sich veranlasst, sich mit vier neuen Themenschwerpunkten aufzustellen: Pharma, Medizintechnik, Krankenhäuser und Krankenkassen.
Pharma:
Zu diesem Schwerpunkt zählen alle Firmen, die pharmazeutische Produkte entwickeln, beispielsweise Humanpharma, Biotechnologie, Veterinärmedizin, Phytomedizin, alternative Medizin, CROs und SMOs (Site Management Organisations). Das Projektmanagement orientiert sich in der Pharmabranche sehr stark an den gesetzlichen Vorgaben. Die meisten Produkte werden nicht nur für den nationalen Markt entwickelt; deshalb greifen vor allem die Vorgaben der europäischen und amerikanischen Behörden (EMEA, FDA). Diese Richtlinien schreiben vor allem die Durchführung unterschiedlicher Labortests wie auch Studien an Tier und Mensch (Humanmedizin) vor. Als Folge dieser umfangreichen Auflagen kommt es zu einer hohen Entwicklungsdauer neuer Medikamente. Zeitspannen von zwanzig Jahren von der aktiven Substanz bis zur Markteinführung sind keine Seltenheit.
Die Konsequenz für das Projektmanagement: Um eine solche umfassende Entwicklung durchführen zu können, bedarf es eines gut entwickelten und standardisierten Projektmanagements. Die Entwicklung der PM-Strukturen und -Abläufe hat sich vor allem in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren vollzogen, wie Ralf Eulentrop vom Head Project Management Skill Center des Pharmaunternehmens Merck darlegte. In den letzten Jahren wurden der Einfluss der Projektleiter bei den pharmazeutischen Herstellern vor allem durch den Umbau von Stabs- zu Matrixorganisationen verbessert und PMOs eingerichtet, was auch Dr. Christel Schmelzer (Boehringer-Ingelheim) bestätigte.
Auch beim Outsourcing von Teilen der Entwicklung spielt das Projektmanagement eine bedeutsame Rolle – und dies nicht nur als Schnittstelle zwischen den Partnern. Dr. Sylvia van Bentum (ICON Clinical Research) erläuterte, wie mithilfe eines straffen Projektmanagements die Entwicklung effektiv umgesetzt werden kann.
Medizintechnik:
Im Unterschied zur pharmazeutischen Industrie sind die Innovationszyklen von Medizintechnikprodukten deutlich kürzer. Die Hersteller dieser Produkte müssen die gesetzlichen Vorgaben in einer kürzeren Zeitspanne bewältigen. Dies erfordert klare PM-Abläufe, wie Ralf Schwaninger, Projektleiter bei Roche Diag nostics, erklärte. Er illustrierte das „V-Modell“ an einem Praxisbeispiel. Insbesondere Marketingaspekte spielen im Projektmanagement von Medizintechnik und -produkten eine maßgebliche Rolle. Da sich in den nächsten Jahren die gesetzlichen Rahmenbedingungen für diesen Bereich weiterhin verschärfen werden und auch eine klare Trennung von medizinischen und pharmazeutischen Produkten immer schwieriger wird, ist eine Weiterentwicklung des Projektmanagements unabdingbar.
Krankenhäuser und Krankenkassen:
Vor völlig anderen Herausforderungen steht das Projektmanagement in Krankenhäusern und Kliniken. In diesen Bereichen finden sich – wie auch bei den Krankenkassen – eine große Anzahl von Organisationsprojekten. Neben der Implementierung von PM-Strukturen, der Einführung von PM-Begrifflichkeiten und -Abläufen spielt bei diesen Projekten das Thema „Machteinfluss“ eine entscheidende Rolle. Man darf also die Stakeholder und die Projektrisiken nicht aus den Augen verlieren, wie Sabina Klein (DIO MEDES Health Care Consultants) meint. Auch bestehe beispielsweise im Krankenhausbereich kaum PM-Kultur. So werden visionäres Denken und die Einhaltung von PM-Strukturen deshalb in vielen Bereichen noch nicht angenommen und verinnerlicht.
Dass das Risikomanagement in allen HealthCare-Bereichen eine wichtige Rolle spielt und wie man damit umgehen sollte – dies verdeutlichte Uwe Rohrschneider, Leiter der GPM Fachgruppe Risikomanagement. Rundum zufrieden mit diesem Symposium „Kennen-Lernen“ zeigte sich die GPM Fachgruppe „PM HealthCare“. Eine Erfahrung wird sie mit in ihre Fachgruppenarbeit nehmen: Das Projektmanagement in diesem Bereich ist so vielfältig, dass die Gruppe auch künftig ihre Veranstaltungen in die Themenschwerpunkte Pharma, Medizintechnik, Krankenhäuser und Krankenkassen gliedern wird.
Weitere Informationen zum Thema:
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E-Mail: pm-healthcare@gpm-ipma.de