b29c60a5-4db6-45bb-80bd-69d8d0096101TrueISBN3728130044LargeBooks


Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2007, Seite 47. Alle Rechte vorbehalten.
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Das Buch des Schweizers Jenny zeichnet sich durch eine besonders gute didaktische Gestaltung aus. Jedem Kapitel sind Lernziele vorgeschaltet. Den einzelnen Zielen sind außerdem die jeweils dazugehörigen Nummern der ICB-Elemente (ICB 2.0) zugeordnet. Perfekte Abbildungen und eine geradezu üppige Farbgebung verbunden mit einem Farbcode, der die Vernetztheit des Projektmanagementsystems zeigen soll, machen die Lektüre vor allem für den Anfänger auch zu einem ästhetischen Genuss. (Die in der GPM zum Teil verbreitete, typisch teutonische Haltung, dass ein Buch nicht „wie ein Roman“ lesbar sein soll, teile ich nicht.) Hinzu kommt eine sehr konsequente Prozessorientierung, die schon eine gewisse Tradition in Schweizer Lehrbüchern hat. Sie erleichtert dem Laien die Orientierung in einer schwierigen Materie sehr. Einige Abschnitte haben mir besonders gut gefallen, insbesondere weil sie in der Regel in den elementaren Lehrbüchern nicht zu finden sind, so ein interessanter Vorschlag für eine Einstufung von Projekten nach verschiedenen Klassen und das Kapitel über Projektziele mit der wichtigen und konsequent durchgehaltenen Unterscheidung in Abwicklungs- und Systemziele.

So weit die positive Nachricht. Als fortgeschrittener Leser stören mich allerdings einige Dinge, so etwa, dass eine Projektklassifikation oder Projektziele „Grundwerte“ der Projektabwicklung sein sollen. Der Begriff ist für Postulate wie „Kundenorientierung“ oder „Umweltbewusstsein“ reserviert und sollte nicht verwässert werden. Auch die neue Definition für Projekte findet nicht meine Zustimmung. Sie enthält normative Elemente, was nicht sein sollte. Außerdem leistet sie nicht das, was sie leisten sollte: Leistungserstellung mit Projektcharakter von repetitiven Formen der Leistungserstellung abzugrenzen. Schließlich leuchtet mir der Unterschied zwischen Vorgehens- und Phasenmodell nicht ein.

Probleme habe ich aber vor allem mit der Fallstudie, der Planung einer Weltreise durch eine eidgenössische Familie. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, eine solche Studie zu entwerfen. Man kann daran immer etwas aussetzen, egal wie gut sie ist. Von dieser Möglichkeit machen dann auch Leute, denen sonst nichts einfällt, reichlich Gebrauch. Aber in diesem Fall ist es meines Erachtens gerechtfertigt. In Seminaren klagen die Teilnehmer immer wieder, dass die Übungsbeispiele zu weit von der industriellen Realität entfernt sind und keinen großen Erkenntniswert haben. Auch die Stiftung Warentest kam beim Test von Projektmanagementseminaren (FINANZTEST 6/2004) zu diesem Urteil. Meinung eines Seminarbesuchers: „Ich habe in meiner täglichen Arbeit schwierigere Probleme zu lösen, als einen Betriebsausflug zu organisieren.“ Die Grenzen des gewählten Fallbeispiels zeigen sich dann auch deutlich bei Themen wie etwa Kostenschätzung und Einsatzmittelplanung.

Trotz der genannten Einschränkungen muss man aber sagen: Für den Anfänger lohnt es sich sehr, das Werk durchzuarbeiten. Er bekommt vor allem wegen der vorbildlichen Didaktik einen hervorragenden Einblick in die Disziplin und lernt auch noch etwas über die ICB. Noch ganz am Rande: Auch dem Profi sei das köstliche Vorwort von Prof. Glinz zur Lektüre empfohlen. Meine Anregung ist, es ins Netz zu stellen.



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