db18b550-73be-42bd-90b7-3957ccc0f3e6TrueISBN3899360389LargeBooks


Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2007, Seite 52. Alle Rechte vorbehalten.
Mehr zum Thema

Die Arbeit von Schindler, eine Dissertation, ist sehr breit angelegt. Für den ungeduldigen Praktiker wohl ein wenig zu breit. Aber das kann man dem Autor wohl kaum ankreiden. Wer promovieren will, muss leider im deutschsprachigen Raum bei vielen Doktorvätern und -müttern immer noch – respektlos gesagt – bei Adam und Eva anfangen. Zum Beispiel ist die Auseinandersetzung mit dem Projektbegriff absolut überflüssig, weil sie schon viel zu oft geführt wurde und hier keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten sind. Allerdings hat die Vorgehensweise des Autors auch ihre Vorteile gegenüber allzu flott geschriebenen How-to-do-Büchern. Er klärt nicht nur theoretische Grundlagen (z. B. im Punkt „Organisationales Lernen und die lernende Organisation“), sondern betrachtet im Kapitel 3 („Determinanten der Projektabwicklung aus Wissensperspektive“) die ganze Thematik Projektmanagement aus einem einmal ganz anderen Blickwinkel. So geht er zum Beispiel, um nur einige wenige Punkte hervorzuheben, auf die Unternehmens- und Projektkultur ein und befasst sich mit der Verankerung von Wissens- und Lernzielen in der Projektmethodik. Das ist außerordentlich verdienstvoll und weitet den Blick auf das Wissensmanagement in Projekten. Der ist uns nämlich durch die oft allzu technokratische Perspektive der Informatik und Wirtschaftsinformatik und durch wohlfeile und zu pragmatische Empfehlungen zum Projektabschluss in den letzten Jahren erheblich verengt worden. Besonders hat mir gefallen, dass sich der Verfasser auch der Fragen annimmt, die sich aus der Sicht der Organisationspsychologie ergeben. So hebt er zum Beispiel besonders hervor, dass Vertrauen eine wichtige Determinante des Wissensmanagements ist, ein Aspekt, den man in den informatiklastigen Aufsätzen vergeblich sucht. Sehr wertvoll sind auch die Fallstudien, in der die Bankgesellschaft Berlin, DaimlerChrysler, Insecuranza und Pixelpark analysiert werden. Hier ist Schindler nicht der Versuchung erlegen, eine Hochglanzdarstellung zu bieten, vielmehr wird recht realistisch berichtet. Die Auswertung der Interviews, die mithilfe eines sehr sorgfältigen Leitfadens geführt wurden, zeigt deutlich, dass zwischen Theorie bzw. den Forderungen, wie sie in der Literatur aufgeführt sind, und der Unternehmenspraxis noch ein erheblicher Unterschied besteht.

Der Leser, der für Projekte Verantwortung trägt, wird vermutlich vor allem an Instrumenten der Erfahrungssicherung (Kap. 4.4) interessiert sein. Hier werden unter anderem folgende Ansätze genannt:

  • Projektrevision,
  • Projektaudit,
  • Postcontrol,
  • Projektrückschau,
  • Post-Project-Appraisal und
  • Projekt-Debriefing.

Unter der Überschrift „Darstellungsdominante Instrumente des Erfahrungslernens“ finden sich auch bekannte Stichwörter wie „Mikroartikel“ und „Learning Histories“. Hier hätte man sich allerdings schon einige konkrete Beispiele gewünscht, die auch mühelos zu entdecken gewesen wären. Es gibt sie etwa zu Mikroartikeln im Internet in großer Zahl. Zu „Learning Histories“ bieten Kleiner und Roth in ihrem, von Schindler auch zitiertem Aufsatz im Harvard Business Manager (5/1998, S. 9–15) eine instruktive Illustration.

Diese Kritik mindert allerdings nicht den Wert der gedankenreichen Publikation, die auch ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis hat. Wie Ahlemann und Wieland im letzten Heft unserer Zeitschrift (1/2007, „Portfoliomanagement ist Standard, Wissensmanagement ist im Kommen. Studie zur Projektmanagementsoftware der Universität Osnabrück“) gezeigt haben, liegt der Fokus bei der Entwicklung von PM-Software mehr und mehr auf Wissensmanagement. Schon allein um nicht wieder, wie schon so oft, das Heil in der Beschaffung von entsprechenden Programmsystemen zu suchen und sich damit ein Alibi zu verschaffen, ist die Lektüre des Buchs dringend zu empfehlen. Ein wenig Geduld sollte man aber schon mitbringen.



---> Zum Inhaltsverzeichnis von PMaktuell - Heft 2/2007

GPM-Mitglieder erhalten ein kostenfreies Abonnement von projektMANAGEMENTaktuell.
Informieren Sie sich über die Vorteile der GPM-Mitgliedschaft

Bibliothekskataloge

Hier können Sie erfahren, an welchen Hochschulen das Werk verfügbar ist:

Anregungen?
Wenn Sie Anregungen zur Online-Ausgabe von PM aktuell haben oder Fehler entdecken, senden Sie bitte eine Nachricht an
PM-Qualifizierung
auf hohem Niveau

Weitere Info...

↑↑↑     --     Impressum | Sitemap | Login Redaktion     --     ↑↑↑ Kontakt | \

Powered by pmwiki-2.1.26 - Optimiert für Bildschirmauflösungen ab 1024 x 768