Von Ralf Maximilian Jungkunz
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2006, Seite 49 - 55. Alle Rechte vorbehalten.
Eine kontinuierliche Optimierung der Entwicklungsprojektabwicklung trägt wesentlich zur Verwirklichung von geplanten Zielen bei (Kapitel 1). Doch weisen derzeitige Ansätze für das operative Controlling in der Produktentwicklung Defizite auf. Ursache dafür ist eine mangelnde Verlässlichkeit bisher üblicher Informationsressourcen (Kapitel 2). Der Beitrag greift diese Problemstellung auf und beschreibt unter Berücksichtigung bisheriger Ansätze aus der Forschung und Technik (Kapitel 3) ein allgemeingültiges Controllingkonzept für die Produktentwicklung. Auf dieser Konzeptgrundlage können digitale Informationen aus beliebigen produktiven PDM-Systemen automatisiert zu verlässlichen Controllingkennlinien transformiert werden, wie z. B. Belastungs-, Sachfortschritts- und Gantt-Diagrammen (Kapitel 4). Auf Basis dieses Controllingansatzes wurde eine Software erstellt, die das Management des Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS in München seit Mitte 2003 nutzt und damit eine systematische Optimierung des operativen Controllings in der Produktentwicklung gewährleistet (Kapitel 5).
Einleitung
Zu Beginn der Industrialisierung wurden neue Produktideen auf Basis einfacher Handskizzen beschrieben und aus heutiger Sicht mittels primitiver Produktionsbedingungen realisiert. Wenige Jahrzehnte später, zur Zeit des Wirtschaftswunders, wurden immer kompliziertere technische Produkt-Features realisiert. Die zentralen Design-Hilfsmittel waren Zeichenbretter, und viele Kleinbetriebe wuchsen zu nationalen Unternehmen heran. In der „New Economy“ hat sich der Technologie- und Globalisierungstrend verstärkt. Deshalb war es notwendig, IT-gestützte Werkzeuge zu nutzen (z. B. CAD, DMU, FEM), komplexe Produktfunktionalitäten durch Kombinationen von Mechanik, Hydraulik und Elektronik zu realisieren und die zunächst nationalen Unternehmen zu multinationalen Konzernen weiterzuentwickeln.
Damals wie heute haben Entwicklungsprojekte enorme Bedeutung für Unternehmen. Entsteht beispielsweise eine Verzögerung des Markteintritts von ca. 25 Prozent, so muss unter bestimmten Modellannahmen mit Ertragseinbußen von durchschnittlich 33 Prozent gerechnet werden. Der Erfolg bzw. der Misserfolg einer Firma hängt somit stark von der Performance seiner Entwicklungsprojekte ab.
Damit Entwicklungsprojektstörungen (z. B. Terminabweichungen) frühzeitig korrigiert werden können, ist es notwendig, den aktuellen Projektverlauf zu erfassen und ihn nach den Regeln des Projektmanagements aufzubereiten, zum Beispiel in Form von Sachfortschritts-, Belastungs-, Gantt- und Meilensteintrenddiagrammen. Dies fällt in den Aufgabenbereich des Entwicklungsprojekt- Controllings.
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