Die Stückliste ist die Mutter aller Daten

Von Dieter Geckler

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2006, Seite 42 - 48. Alle Rechte vorbehalten.
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„Die Stückliste ist die Mutter aller Daten“. Mit dieser Regel überraschte mich mein erster Projektleiter beim Berufseinstieg, als er mich in die Zusammenhänge einer unternehmensübergreifenden IT-Landschaft im produzierenden Gewerbe einführte. Während des Studiums hatte ich dieses unscheinbare Dokument nur als nebensächliche Pflicht betrachtet, mit zunehmender Berufserfahrung zeigt sich aber immer deutlicher, wie sich die Stückliste als roter Faden durch alle Prozesse eines Fertigungsunternehmens zieht. Dies gilt nicht nur für die Fertigungsprozesse und Materialwirtschaft während der Produktionsphase, sondern auch bei der Entwicklung und Projektierung neuer Produkte. Daher soll hier die Bedeutung der Stückliste als zentrale Informationsdrehscheibe und wichtiges Steuerungselement in Entwicklungsprojekten vorgestellt werden.

Produktstruktur

Die Produktstruktur (Stückliste) definiert die Struktur und Zusammensetzung eines Produktes und begleitet es über den gesamten Produktlebenszyklus. Während des Entwicklungsprozesses fasst sie alle Produktdaten zusammen und steuert so die Entwicklungsaktivitäten. Während der Produktionsphase ist sie Datenrückgrat der Fertigungs- und Logistikprozesse. Je nach Branche unterliegt sie unterschiedlichen Bezeichnungen, so spricht der Maschinenbau von der Stückliste, die Lebensmittelindustrie von einer Rezeptur, die branchenneutrale Bezeichnung ist der Begriff Produktstruktur. Im Folgenden wird der Begriff Stückliste verwendet, um auf die Verwendung in der Automobilentwicklung hinzuweisen.

In der Automobilindustrie treffen die unterschiedlichen Komplexitätsmerkmale von Stücklisten in besonderer Form zusammen: Der Teileumfang umfasst die Strukturtiefe einer komplexen Maschine, die Produktvarianz übertrifft oft die Bandbreite eines Einbauküchen- Herstellers, gleichzeitig ist sie Basis für eine Massenproduktion und muss die Daten für ein individuelles Endprodukt in Sekundenbruchteilen ableiten. Auch die Problematik der Chemischen- und der Lebensmittelindustrie, die sich teilweise auf unterschiedliche Eigenschaften der Komponenten je nach Wettersituation oder Ernteergebnissen einstellen müssen, erfordern im Automobilbau im Lackierereibereich und beim Einsatz von Naturprodukten eine Berücksichtigung.



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