Vom notwendigen Übel zum strategischen Erfolgsfaktor
Von Andreas Karcher
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2006, Seite 32 - 41. Alle Rechte vorbehalten.
Product Lifecycle Management rückt immer mehr in den Mittelpunkt der Diskussion, wenn es um die IT-Unterstützung komplexer Produktentwicklungs- und Lifecycle-Prozesse geht. Der Beitrag ordnet zunächst den sehr unterschiedlich verstandenen Begriff des Product Lifecycle Management in die verschiedenen unternehmensspezifischen Perspektiven ein und zeichnet die Entwicklungslinie nach. Den Spannungsbogen zwischen Produktzentrierung und eher ressourcenorientiertem PLM-Verständnis sowie zwischen Nutzenpotenzialen auf der einen und der sich aus einer IT-Unterstützung zusätzlich ergebenden Komplexität auf der anderen Seite zeigt der zweite Teil des Beitrags auf. Basis für ein ganzheitliches, ITgestütztes PLM ist immer ein detailliertes und möglichst formal beschriebenes integriertes Produktmodell, das die heute immer noch dominierende Dokumentenzentrierung ein Stück weit aufweichen muss und dessen Grundidee in Abschnitt 3 ausführlich dargestellt wird, bevor dann auf Architektur und Kernfunktionen von Standardlösungen eingegangen wird. Den Abschluss bildet die inhärente Grundproblematik, dass PLM als strategisches Thema verstanden und umgesetzt werden sollte, was im Umkehrschluss zur Frage führt, wie diese kontinuierliche Aufgabe systematisch bewältigt werden kann.
1 PLM – viel diskutiert, aber noch wenig verstanden
Kaum ein Themenkomplex hat in den letzten Jahren gleichzeitig für so viel Aufmerksamkeit, aber auch für so viel babylonische Begriffsverwirrung und Unsicherheit bezüglich Relevanz und Vorgehensweise – insbesondere bei den potenziellen Anwendern – gesorgt wie das Thema Product Lifecycle Management. Dass sich Unternehmen zunehmend der Herausforderung gegenübersehen, die informationstechnische Beherrschung und Optimierung des Produktlebenszyklus als Kernkompetenz zu begreifen, und IT-Unterstützung im Product Lifecycle immer mehr zum strategischen Wettbewerbsfaktor auch und gerade für kleinere und mittlere Unternehmen werden wird, ist mittlerweile akzeptiert und auch durch verschiedene Studien belegt:
„Product Lifecycle Management wird in den kommenden Jahren zu einem zentralen Thema im Unternehmen werden.“ (Jack Maynard, Aberdeen Group)
Allerdings wird man bereits auf die Frage, was denn PLM nun konkret bedeutet, was sich dahinter genau verbirgt, wie man dieses Thema im Unternehmen „installiert“ und erfolgreich verankert, bereits ganz unterschiedliche Antworten bekommen. Eine sehr allgemeine Definition von PLM ist die der Gartner Group:
„Guiding products from concept through retirement to deliver the greatest business value to an enterprise and its trading partners.“
Ein Themenkomplex mit vielen unterschiedlichen Facetten
Je nach Blickwinkel, aus dem man PLM betrachtet, ergeben sich ganz unterschiedliche Perspektiven, und das im Kern Zentrale und Schwierigste an der PLM-Thematik ist die Integration all dieser Sichten und Perspektiven zu einem ganzheitlichen strategischen Konzept, umgesetzt auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
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