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Die häufigsten Fallen und Gefahren –
die besten Sofortmaßnahmen (mit CD)

Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2006, Seite 54. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Arbeit von Rohrschneider geht von der üblichen Gliederung

  • Identifizierung und Bewertung von Risiken
  • und Maßnahmen des Risikomanagements aus.

Wie Harrant und Hemmrich (siehe S. 53 in diesem Heft) beschränkt sich der Verfasser nicht auf Softwareprojekte. Bereits am Anfang bietet er eine Einteilung von Projekten nach ihrem Komplexitätsgrad in A-, B- und C-Projekte. Die Aussage, die dahinter steckt, lautet: „Je komplexer ein Projekt, desto mehr Risiken können ihm drohen.“ Hier wäre allerdings ein Verweis auf die wichtigen Vorarbeiten des VDMA unbedingt notwendig gewesen (Hilpert, N.; Rademacher, G.; Sauter, B.: Projekt- Management und Projekt-Controlling im Anlagen- und Systemgeschäft. 6. Auflage. Frankfurt/M. 2001). Für die Identifizierung von Risiken nennt der Verfasser als Instrumente neben Checklisten unter anderem auch die Nominal Group Technique, eine sehr wirkungsvolle, in Deutschland aber kaum bekannte Technik, und – überraschenderweise und originell – auch Quality Function Deployment.

Bei der Behandlung der Bewertung von Risiken werden zunächst Fragen der Skalenwahl diskutiert. Der viel zu selten zu lesende Hinweis „Lassen Sie sich von Zahlen nicht zu sehr beeindrucken. Quantifizierte Angaben vermitteln immer den Anschein eines höheren Maßes an Genauigkeit“ ist in diesem Zusammenhang nur zu berechtigt. Auch die Warnung „Man kann mindestens ebenso lang wie sinnlos darüber streiten, ob die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines Risikos … bei 70 Prozent, 75 Prozent oder 75,37 Prozent liegt“ ist dringend erforderlich, wenn man immer wieder in einschlägigen Werken feststellt, welches Vertrauen subjektiven Wahrscheinlichkeiten geschenkt wird. Diese kritische Auseinandersetzung mit Wahrscheinlichkeitsangaben, von den meisten Autoren strikt vermieden, hat mir besonders gut gefallen.

Trotzdem arbeitet Rohrschneider selbst auch weiterhin mit Wahrscheinlichkeiten, was durchaus legitim ist, wenn man sich nur immer wieder klar macht, auf welch dünnem Eis man sich hier bewegt. Das sollte man allerdings auch bei der Analysemethode tun, die der Autor fälschlicherweise DeMarco und Lister zuschreibt (Bärentango). Die Transformation der Angaben über einen optimistischen, wahrscheinlichsten und pessimistischen Zeitschätzwert beruht, wie hinlänglich in der Literatur dargelegt, auf recht problematischen Annahmen.

Im Kapitel, das sich mit der Bewertung, Auswahl und Umsetzung der verschiedenen möglichen Maßnahmen des Risikomanagements beschäftigt, gibt Rohrschneider gut verwertbare Ratschläge, so bei der Darstellung eines umfangreichen Szenarios für ein geplantes Investitionsprojekt. Allerdings lässt sich der Verfasser hier nach meinem Gefühl zu sehr von der Entscheidungstheorie beeindrucken, so von der Entscheidungsbaumtechnik. Dabei findet sich selbst in nicht sonderlich praxisnahen Lehrbüchern der deutschen Betriebswirtschaftslehre eine sehr skeptische Beurteilung ihrer Anwendbarkeit. Ich selbst habe in den letzten 30 Jahren nur einen einzigen, einigermaßen glaubwürdigen Anwendungsfall (Preisentscheidung bei der Firma du Pont) gefunden. Dieser Kritikpunkt relativiert sich allerdings, wenn man andererseits berücksichtigt, dass sich im Buch auch sehr einfache und praktikable Ansätze wie z. B. die SMEA-Analyse (Situations-, Maßnahmen- und Ergebnis-Analyse) finden. Sehr positiv ist auch zu bewerten, dass FMEA (Failure Mode and Effects Analysis) für Risikomanagement genutzt wird.

In einem gesonderten Kapitel wird die kaufmännische und rechtliche Seite des Risikomanagements behandelt. Hier greift Rohrschneider ein Thema auf, das zumindest mir völlig unbekannt war, nämlich die Beziehungen zu US-GAAP. Sofern der Leser eine ähnliche Wissenslücke hat, wie ich sie zugeben muss, sei ihm dieser Abschnitt dringend zur Lektüre empfohlen.

Ein Wort der Kritik kann allerdings am Ende der Rezension nicht unterdrückt werden. Wie beim Buch von Harrant und Hemmrich fehlt auch hier praktisch jeder Literaturhinweis. Das sollte auf keinen Fall Schule machen, auch wenn manche Leser sich, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, Bücher wünschen, die auf präzise Quellenangaben verzichten. Wie heißt es doch bei Goethe: „Denn was man ist, das blieb man anderen schuldig.“ Wenn die GPM auch an Hochschulen Einfluss gewinnen will, kann sie sich so etwas auf Dauer nicht leisten.

Trotz dieser kritischen Bemerkung kann das Buch zum genauen Studium empfohlen werden, vor allem weil es viele neue Aspekte enthält und gut lesbar geschrieben ist.


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