060b615d-0e01-45a4-9902-e037d5dbe728TrueISBN3898643735LargeBooks
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2006, Seite 51. Alle Rechte vorbehalten.
Wer schon einmal versucht hat, sich im Internet über die zahlreichen Produkte der CMM-Familie Klarheit zu verschaffen, dem wird es, wenn er nicht ein ausgesprochener Spezialist ist, vermutlich genauso ergangen sein wie mir: Ich war nach ausgiebiger Recherche immer noch verwirrt, allerdings jetzt auf einem höheren Niveau. Auch das sicher gut gemeinte Buch von K. M. Dymond (CMM Handbuch. Das Capability Maturity Model für Software. Berlin Heidelberg 2002) hat nur bedingt zu meiner Erleuchtung beigetragen. Umso mehr war ich jetzt erfreut vom Werk Kneupers. Der Autor hat sich mit großem Erfolg bemüht, dem Leser das alles andere als einfache Thema nahe zu bringen. CMMI (Capability Maturity Model Integration) ist das Anfang 2002 in Version 1.1 erschienene Nachfolgemodell des bekannten CMM. Der Anwendungsbereich ist über die Softwareentwicklung hinaus erweitert worden. Der Autor geht zunächst auch auf eine Reihe anderer Qualitätsmanagementmodelle ein und zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten. In den weiteren Kapiteln werden die Bestandteile des Reifegradmodells ausführlich dargestellt. Er gibt Empfehlungen für die Auswahl der verschiedenen Varianten und schildert dann die Prozessgebiete von CMMI für die Stufen 2 (gemanagt), 3 (definiert), 4 (quantitativ gemanagt) und 5 (optimierend).
Im Kapitel 6 werden die Einführung und Nutzung von CMMI behandelt. Hier zeigt sich ganz besonders die große praktische Erfahrung des Verfassers. Wer nicht die Zeit oder Geduld aufbringt, das ganze Werk zu studieren, sollte zumindest dieses Kapitel lesen. Interessant ist hier vor allem das Unterkapitel CMMI in Kombination mit anderen Standards (ISO 15504, SPICE, V-Modell XT und ISO 9001). Auch die Beziehungen zu agilen Prozessen werden geklärt. In Kapitel 7 wird der CMMI-Ansatz bewertet. Kneuper geht hier auf kritische Einwände ein und stellt Kosten und Nutzen der Anwendung von Reifegradmodellen gegenüber. Er sieht sehr klar, dass eine ganze Reihe von Faktoren, die für den Projekterfolg wichtig sind, von CMMI nicht berücksichtigt werden, so
- Kundendienst und Support,
- Mitarbeitergewinnung und -auswahl,
- Motivation und Zusammenarbeit der Mitarbeiter,
- Marketing und Vertrieb,
- Implementierung der Software,
- laufender Betrieb der Software,
- Rechnungswesen und Controlling.
Er gesteht auch zu, dass „gute Ergebnisse nicht durch gute Prozesse, sondern vor allem durch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter entstehen“ (S. 124), weist aber durch die Zitation von Erfolgsberichten auch auf den Nutzen hin, den das Modell stiften kann. Im Kapitel „CMMI-Appraisals und CMMIAssessments“ wird es sehr technisch. Diese sehr umfangreichen Abschnitte sollen helfen, das Modell besser zu verstehen und einführen zu können.
Fazit
Auch wenn Kneuper mit Ausnahme von ISO 9000 keinen Blick auf branchenunabhängige Modelle wie etwa OPM3 wirft, ist es ihm gelungen, ein Buch zu schreiben, das jeder, der sich im Dickicht der Qualitätsmanagementmodelle nicht verirren möchte, lesen sollte.