Projektmanagement-Nachfrage in (Landschafts-)Architektur und Stadtplanung
Von Florian Kluge
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2006, Seite 55 - 58. Alle Rechte vorbehalten.
Nach vielen Jahren der skeptischen Distanz findet Projektmanagement nun auch in der (Landschafts-)Architektur und Stadtplanung immer mehr Anwendung. Ein Blick in die Planungsburos zeigt jedoch, dass vielen Beteiligten nach wie vor unklar zu sein scheint, was Projektmanagement bedeutet, welche Inhalte dahinter stecken und welche Chancen sich bieten. Im Rahmen einer am Lehrstuhl fur Landschaftsokologie und Landschaftsgestaltung der RWTH Aachen laufenden Dissertation wurde nun untersucht, welche Rolle Projektmanagement in der Planungspraxis spielt und ob bei Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern eine signifikante Nachfrage nach Projektmanagement-Kenntnissen besteht.
Beobachtet man aktuelle Artikel und Kommentare zur Situation der Planungsbranche, so begegnet man immer öfter dem Begriff „Projektmanagement“. In der traditionell weniger innovationsfreudigen Baubranche setzen sich die Bauingenieure seit längerem intensiv mit dem Thema auseinander, während die gestaltenden Disziplinen zunächst wenig interessiert waren. Um die Verbreitung und Anwendung der Methode Projektmanagement in diesem Bereich näher zu erkunden und die Nachfrage und den Bedarf an Projektmanagement- Kenntnissen zu belegen, erfolgte die Untersuchung in drei Schritten:
1. Im ersten Schritt galt es, den so vielseitig verwendeten Begriff „Projektmanagement“ zu beleuchten, um greifbare methodische Werkzeuge herauszuarbeiten und Schlüsselbegriffe zu definieren, die die Inhalte von Projektmanagement beschreiben.
2. Im zweiten Schritt wurde zur quantitativen Untersuchung der Projektmanagement-Nachfrage eine Auswertung von Stellenanzeigen vorgenommen. Die Auswertung erfolgte anhand der vorher definierten Schlüsselbegriffe.
3. Im dritten Schritt wurden Experteninterviews geführt, um die Auswertungsergebnisse qualitativ zu untermauern.
Begriffsklärung
Um für die Experteninterviews und die Auswertung der Stellenanzeigen ein einheitliches Begriffsverständnis herzustellen, wurde zunächst die Definition der DIN 69901 verwendet, die Projektmanagement als „die Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mittel für die Abwicklung eines Projekts“ beschreibt. Zur weiteren Operationalisierung der Definition wurde der Projektmanagement-Kanon der GPM herangezogen. Mit den vier definierten Kompetenzbereichen Grundlagenkompetenz, soziale Kompetenz, Methodenkompetenz und Organisationskompetenz und den jeweiligen Unterkategorien standen Schlüsselbegriffe zur Verfügung, welche die Inhalte des Projektmanagements greifbar machen.
Auswertung der Stellenanzeigen: Quantitative Analyse des Bedarfs
Um die Nachfrage nach Projektmanagement-Kenntnissen zu belegen, wurden in einer quantitativen Analyse Stellenanzeigen für (Landschafts-)Architekten und Stadtplaner ausgewertet. Als Quelle wurden die etablierten Wochen- und Monats-Fachzeitschriften mit Stellenteil ausgewählt: die „Bauwelt“, die „Garten und Landschaft“ und das „Deutsche Architektenblatt“. Ergänzt wurde diese Auswahl durch die Auswertung des Informationsdienstes „Arbeitsmarkt Umweltschutz und Naturwissenschaften“ des Wissenschaftsladens Bonn, der Stellenangebote u. a. für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Landschaftsplaner und Landespfleger auswertet. Die wöchentlich erscheinende Broschüre zieht dafür die Stellenteile von über 60 Tages- und Wochenzeitschriften, 47 Fachzeitschriften sowie 25 Online-Jobbörsen heran.
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