07238097-2625-4737-a1da-767a5c400093TrueISBN3540250409LargeBooks
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2006, Seite 53. Alle Rechte vorbehalten.
Das Handbuch der sieben Schweizer Autoren, allesamt erfahrene Praktiker, ist eine höchst erfreuliche Neuerscheinung auf dem Markt für Projektmanagementbücher. Schon zu Beginn fällt einem der übersichtliche Projektmanagement-Kompass auf, der den Leser durch das Werk leitet. Es wurde zur Orientierung ein allgemeines Vorgehensmodell gewählt, das natürlich für einen konkreten Anwendungsfall angepasst werden müsste. Es besteht aus folgenden Elementen:
- Projektphasen (Initiierung, Vorstudie, Konzept, Realisierung, Einführung),
- den dazu gehörigen Meilensteinen und
- Projektdokumenten,
- Aktivitäten innerhalb der Phasen und
- Methoden und Instrumenten.
So sind zum Beispiel der Initiierungsphase folgende Methoden bzw. Instrumente zugewiesen, die dann in einem eigenen Kapitel (IV) ausführlich dargestellt werden:
- System Engineering,
- Vorgehensmodelle,
- SWOT-Analyse,
- Risiko-Analyse,
- Projekt-Portfolio,
- Top-down-Vorgehen.
Teil I des Werks bietet einen knappen Überblick über Projektmanagement. Teil II ist nach den oben erwähnten Phasen strukturiert und behandelt die einzelnen Projektabschnitte nach der einheitlich gewählten Gliederung:
- Worum geht es in dieser Phase?
- Ergebnisse der Phase
- Schritte
- Organisation
- Planung
- Controlling und Risikomanagement
- Führung und Zusammenarbeit
- Information und Dokumentation
- Checkpunkte vor der jeweiligen Phase
Teil III widmet sich dann den Projekterfolgsfaktoren. Hier werden die Faktoren Projektinitialisierung, Projektorganisation, Projektplanung, Projektcontrolling, Information, Kommunikation und Dokumentation, Führung und Zusammenarbeit, Aspekte von Teams sowie Konflikt und Widerstand ausführlich erörtert. Dabei hat mir das letzte Kapitel, das unter anderem das Modell von Glasl enthält, besonders gut gefallen. Kritisch ist zu sagen: Die erwähnten Erfolgsfaktoren sind zwar durchaus kompatibel mit den Ergebnissen der empirischen Erfolgsfaktorenforschung, wie sie besonders gründlich zum Beispiel von Lechler (Erfolgsfaktoren des Projektmanagements, Frankfurt/M. 1997) vorgestellt werden. Es fehlt dabei aber die explizite Berücksichtigung der Unterstützung durch das Topmanagement, deren erhebliche Auswirkung auf den Projekterfolg durch zahlreiche Befunde abgesichert ist. Nicht ohne Grund ist sie auch ein wesentliches Kriterium im Modell Project Excellence.
Die organisationspsychologische Seite des Projektmanagements kommt trotzdem alles in allem, wie bereits die Stichwörter zeigen, keineswegs zu kurz. Insgesamt weist der Band gegenüber vielen anderen Lehrbüchern zahlreiche Vorzüge auf, von denen bereits einige erwähnt wurden. Hier sollen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, noch zwei weitere aufgeführt werden:
- Die Autoren heben immer wieder den Zusammenhang zwischen Projektmanagement und Unternehmensstrategie hervor und unterscheiden klar zwischen Strategischem und Operativem Projektmanagement. In diesem Zusammenhang sei den Verfassern auch für die befriedigende Klärung des kaum übersetzbaren Begriffs „Business Case“ gedankt.
- Die Publikation bezieht sich auf die ICB und bietet am Schluss eine Synoptik, in der die 28 Kernelemente und die 14 Zusatzelemente der Competence Baseline den einzelnen Kapiteln zugeordnet werden.
Ein kleiner Verbesserungsvorschlag für die sicher erscheinende zweite Auflage: Die Ausführungen zum Benchmarking sind etwas zu allgemein gehalten. Auch wenn die Entwicklung hier noch lange nicht abgeschlossen ist, sollten zumindest CMM-I und OPM3 berücksichtigt werden.
Fazit
Das sehr gut und übersichtlich strukturierte Lehrwerk, das auf der Höhe der Zeit ist, kann vor allem dem Lernenden, der im Dschungel der Veröffentlichungen der letzten Jahre Orientierung sucht, insbesondere wegen der großen didaktischen Bemühungen der Verfasser ohne Einschränkungen empfohlen werden. Aber auch der erfahrene Praktiker wird von den neuen Sichtweisen und den zahlreichen Checklisten profitieren.