Prozessorientiert - integriert - praxisnah
Von Markus Obels, Ralf Roeschlein, Marc Staiger, Wolfram von Schneyder, Reinhard Wagner, Gernot Waschek
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2006, Seite 41 - 44. Alle Rechte vorbehalten.
Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben eine rasante Entwicklung der Wirtschaft mit sich gebracht. Die Beschleunigung von Abläufen, die Intensität der Unterstützung durch die Informationstechnologie und – damit verbunden – das Ausmaß der Verknüpfung von Prozessen innerhalb von Organisationen und über deren Grenzen hinweg haben unsere Welt in einem Umfang verändert, der vor dieser Zeit noch nicht vorstellbar gewesen wäre. Da verwundert es nicht, dass die mehrheitlich im Jahre 1987 erschienenen Normen der Reihe DIN 69900 ff. dem Leser etwas antiquiert erscheinen, dass sie – anders gesagt – die Anforderungen des Projektmanagements unserer Zeit nicht mehr zu erfüllen vermögen. Aus diesem Grund wurde in 2003 eine Neuauflage der Normenreihe auf den Weg gebracht. Dieser Beitrag schließt sich an den Bericht „Deutsche Projektmanagement-Normung“ von Gernot Waschek in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift an, in dem die bisherige Entwicklung beschrieben wurde.
Was ist neu?
Die zentrale Veränderung gegenüber der bisherigen Norm ist, dass nicht mehr die Normung von Begriffen im Vordergrund steht: Die neue Norm enthält vielmehr einen vollständigen Durchlauf eines Projektes aus Projektmanagement-Sicht. Dieser zeigt die Abfolge der einzelnen Projektmanagement-Prozesse und stellt zudem deren Vernetzung mit dem Umfeld des Projektes dar. Ausgehend von diesen Prozessen schlägt die Norm nützliche Projektmanagement-Methoden vor und erklärt die verwendeten Projektmanagement-Begriffe. Zusätzlich wird in der neuen Form ein einheitliches Datenmodell für den Austausch von Informationen zwischen IT-Systemen im Projektmanagement enthalten sein. Damit legt die künftige Norm den Grundstein für eine Standardisierung des Projektmanagements, die eine Zusammenarbeit in Projekten organisationsübergreifend vereinfachen wird. Sie wird voraussichtlich als DIN 69901 „Projektmanagementsysteme“ erscheinen und aus fünf Teilen (Normblättern) bestehen.
Prozessarchitektur: Vom Überblick zum Detail
Die künftige Norm betrachtet ein Projekt über den gesamten Projektlebenszyklus und gliedert es von Anfang bis Ende in fünf logische Phasen (Projektmanagement- Phasen). Die darunter liegenden Prozesse werden in vier Prozessgruppen unterteilt: Führungs-, Projektmanagement-, Unterstützungs- und Wertschöpfungsprozesse. Mit dieser Prozessarchitektur setzt die neue DIN-Norm einerseits den Standard für einheitliche Prozesse im Projektmanagement, bietet daneben aber auch den Rahmen, um diese an die Wertschöpfungsprozesse innerhalb und außerhalb des Projekts sowie an die Führungs- und Unterstützungsprozesse in der umgebenden Organisation anzubinden. Die Prozesse und ihre Vernetzung werden sowohl im Überblick visualisiert als auch einzeln detailliert beschrieben. Damit kann der Nutzer der künftigen Norm die Prozessarchitektur flexibel an seine Bedürfnisse anpassen.

Abb.: Das Prozesshaus der künftigen PM-Norm
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