Wirtschaftsboom hält im „Jahr des Feuerhundes“ an

Von Oliver Steeger

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2006, Seite 3 - 8. Alle Rechte vorbehalten.
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Anfang Februar feierten die Chinesen ausgelassen das Neujahrsfest. Das Jahr des Feuerhundes, so will es der traditionelle chinesische Kalender, brach an. Nach fünf Jahren stetigem Aufschwung hält man das Symboltier im Reich der Mitte für ein gutes Omen. Auch nüchtern beobachtende Volkswirte prognostizieren der Volksrepublik anhaltendes Wirtschaftswachstum. Mit einem gewaltigen Kraftakt und ehrgeizigen Projekten baut das Land von der Größe Europas seine Infrastruktur aus – Kraftwerke, Flughäfen, Straßen und Eisenbahnen braucht das Land. Rund 600.000 Projektmanager will China mittelfristig qualifizieren – ein Indiz, dass das Land auch in puncto Projektmanagement auf dem Weg zur Weltspitze ist.


Shanghai gilt als eine der großen Boomregionen
Chinas.
(Foto: Siemens AG)

Das Jahr des Feuerhundes ist angebrochen. Die Chinesen haben das mit Mythen überladene Neujahr mit Feiern begrüßt. Hongbao, ein Kuvert mit einem Geldgeschenk, machte die Runde; das Hongbao symbolisiert das Weiterleiten guter Wünsche. Zum Jahreswechsel haben auch Wahrsager, die in Asien ein deutliches Wort bei Prognosen mitzureden haben, Hochkonjunktur. Sie deuteten ausgiebig die Zeichen für 2006. Für die Schifffahrt und den Möbelbau sei zwar nichts Gutes zu erwarten (Holz und Wasser vertragen sich nicht mit Feuer). Doch werden der Bausektor und die Immobilienwirtschaft prosperieren. „Denn das Feuer ist ein Erdzeichen“, erklärte FengShuiMeister Ang Chong Peng im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Es mag Zufall sein, dass derzeit tatsächlich die Baubranche in China der kräftigste Wachstumsmotor ist. Experten von Morgan Stanley haben errechnet: Der Wert der in Bau befindlichen Immobilien entspricht einem Drittel der gegenwärtigen Gesamtwirtschaftsleistung Chinas. Die in den Metropolen allerorts anzutreffenden Kräne sind Teil des gewaltigen Wirtschaftsbooms.

„Der chinesische Drache fliegt weiter“, prognostiziert das Institut der deutschen Wirtschaft (Köln). Für das laufende Jahr rechnet das Institut mit einem Wachstum von 8,5 Prozent. „Früher als erwartet hat China in der Rangliste der Wirtschaftsriesen Länder wie Großbritannien oder Frankreich hinter sich gelassen“, meint Peter Tichauer, Chefredakteur des Fachblatts ChinaContact. Das Land werde aller Voraussicht nach in diesem Jahr hinter den USA, Japan und Deutschland auf Platz vier vorrücken. „Als Zwischenstation auf dem Weg zur Spitzenposition“, wie Tichauer schätzt.

Vor fünfzehn Jahren wäre Tichauer für solch eine Prognose belächelt worden. Doch binnen weniger Jahre hat sich im Reich des Drachens ein scheinbar grenzenloser Markt aufgetan. Es ist, als sei mit einem Mal ein neuer Erdteil zur globalisierten Welt hinzugekommen – uneine ehrgeizige Nation dazu. China will mit aller Kraft zur Wirtschaftssupermacht aufsteigen. Je schneller, desto besser. Man kauft im globalen Supermarkt ein: Straßen und Flughäfen, Fabriken und Maschinen, Kraftwerke und Forschungseinrichtungen. Dass China die Weltspitze erreicht, scheint für viele Beobachter außer Frage zu stehen. Sie orakeln nur, wann es so weit sein wird – und welche Folgen dies für die alten Wirtschaftsmächte hat.

Großaufträge für die deutsche Wirtschaft

Der ChinaBoom stützt derzeit die deutsche Exportwirtschaft. Aufträge aus China verheißen schlagzeilenträchtige Großprojekte. Siemens vermeldete im Spätherbst letzten Jahres den Auftrag für 60 Hochgeschwindigkeitszüge, ein Volumen von fast 670 Millionen Euro. „Damit können wir die langfristige Partnerschaft der deutschen und chinesischen Eisenbahnindustrie weiter ausbauen“, freute sich der SiemensVorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld.


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