Von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2006, Seite 2. Alle Rechte vorbehalten.
Das Schwerpunktthema „Erfolgsfaktor Projektteam“ wird in vier Aufsätzen behandelt. Alle Autoren bekennen sich dabei zum „Mythos Team“. In der Tat kann man trotz der durchaus berechtigten Kritik von Fredmund Malik an Auswüchsen („Die Gruppe grassiert wie die Grippe“) und seiner Forderung, in bestimmten Fällen den kreativen Einzelkämpfer zu fördern, vor allem bei interdisziplinären Vorhaben auf entsprechend besetzte Projektgruppen nicht verzichten.
Astrid Pfeiffer („Teammanagement – Eine diplomatische Herausforderung. Psychosoziale und ,politische‘ Projektrisiken richtig handhaben“) identifiziert Probleme in so genannten „politischen“ Projekten und gibt Ratschäge für den Umgang mit ihnen. Thomas Jurisch und Jessica von Zitzewitz („Erfolgsfaktor Projektteam. Strukturierte Besetzung des Projektteams in komplexen IT-Projekten“) befassen sich mit der Frage, wie die Rollen in IT-Projekten optimal zu besetzen und die geeigneten Kandidaten auszuwählen sind. Sie präsentieren eine Vorgehensweise zur Lösung dieser Aufgabe. Christian Pikalek und Chris Rupp („Missverständnisse eliminieren, Fehler vermeiden. Die Sprache in OffshoreTeams“) greifen das Problem der Kommunikation im IT-Bereich auf, das in Offshore-Vorhaben eine besondere Brisanz hat. Sie arbeiten zwei Vorgehensmodelle heraus, die unterschiedliche Auswirkungen auf Intensität und Art der Kommunikation im Projektteam und zwischen den Vertragspartnern haben. Die Verfasser empfehlen vor allem ein gemeinsames Referenzmodell. Der letzte Artikel zum Schwerpunktthema („Nutzenpotenziale interkultureller Projektteams. Empirisches Schlaglicht und ausgewählte Gestaltungsempfehlungen“) von Friedel Ahlers, Claus Steinle und Urte Weinkopf widmet sich einer Thematik, die auch auf dem letzten Weltkongress der IPMA in New Delhi viel Aufmerksamkeit gefunden hat. Die Ergebnisse basieren auf der mündlichen Befragung von 16 Teilnehmern aus sechs Nationen.
Auch der Reportteil („China: Mit Großprojekten an die Weltspitze“) beschäftigt sich mit interkulturellen Problemen. Oliver Steeger berichtet über die enormen Chancen, aber auch Gefahren, die sich für Deutschland aus Großprojekten im Reich der Mitte auftun. Die herrschende Rechtsunsicherheit, so der Tenor, muss man akzeptieren: „China ist anders, ganz anders“, sagt ein chinesischer Berater. Hoffnung macht hier allerdings das Interview mit Dr. Hu: „Die chinesische Regierung arbeitet daran, den Rechtsrahmen zu verbessern.“ Über den Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern und die Rolle des Projektmanagements informiert auch Michael Emsberger, ein im Lande erfolgreicher Projektmanager. China wird – so lautet die Prognose – in den Erfolgsfaktor Projektteam nächsten Jahren rund 600.000 (!) ausgebildete Projektmanager brauchen.
In einem weiteren Interview mit zwei leitenden Mitarbeitern des Bundesrechnungshofs erschließt Oliver Steeger eine Welt, in der es vielen Organisationen noch sehr schwer fällt, das Führungskonzept Projektmanagement konsequent einzusetzen. Doch scheint auch hier vorsichtiger Optimismus angebracht. Die beiden Beamten bringen ein interessantes, mir bisher nicht bekanntes Argument für die Installation einer temporären Projektorganisation: Damit wird die Bildung zusätzlicher Kleinstreferate mit längerer Lebensdauer überflüssig.
Nicht nur in China, sondern auch in der Bundesrepublik werden zusätzliche Projektmanager gebraucht. Florian Kluge („Gefragte Projektmanager. Projektmanagement – Nachfrage in (Landschafts), Architektur und Stadtplanung“) hat in seiner Dissertation untersucht, welche Rolle Projektmanagement bei Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern spielt. Nach Experteninterviews und der Auswertung von Stellenanzeigen kommt er zu dem Resultat: „Der Bedarf … ist da, die Nachfrage steigt stetig …“
Markus Obels, Ralf Roeschlein, Marc Staiger, Wolfram von Schneyder, Reinhard Wagner und Gernot Waschek präsentieren einen Entwurf für die neue Projektmanagementnorm, der sich von der alten Normenreihe (DIN 69 900 ff.) ganz erheblich unterscheidet. Im Vordergrund steht nicht mehr die Normung von Begriffen, sondern die Darstellung des vollständigen Ablaufs eines Projekts aus der Sicht des Projektmanagements.
Ebenfalls zum Thema Vorgehensmodelle schreibt Siegfried Seibert („Das aktuelle Stichwort – V-Modell XT“) über das Anfang 2005 vorgestellte, gründlich überarbeitete V-Modell 97. Anpassbarkeit an die unterschiedlichen Projektrandbedingungen und eine stärkere Betonung der Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer sind wesentliche Charakteristika.
Mey Mark Meyer („ITProjektmanagement mit Vorgehensmodellen. PMSoftware: inStep“) schließt mit seinem Beitrag unmittelbar an. Er bespricht das Tool inStep von MicroTool, das ein an Vorgehensmodellen ausgerichtetes ergebnisund somit dokumentenorientiertes Projektmanagement für IT-Projekte unterstützen soll. Das Produkt hilft auch beim Einsatz des V-Modells XT.
Ich selbst habe versucht, aus der sehr umfangreichen Tagungsdokumentation des 19th IPMA World Congress in New Delhi (Indien) Entwicklungstendenzen in unserer Disziplin abzuleiten.