80c6977d-b0ea-4da4-b7b5-f9f34fb8651aTrueISBN3898642305LargeBooks


Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2006, Seite 47. Alle Rechte vorbehalten.
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Das Buch ist die Ausbildungsgrundlage für die Vergabe des Titels eines Certified Project Manager des International Software Quality Institute (iSQI)) mit dem Hauptsitz in Erlangen und mehreren Niederlassungen in Europa und den USA. Das Institut ist aus den Bedürfnissen der bayerischen Softwareindustrie im Rahmen der Software-Offensive Bayern entstanden und wird unter anderem vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Ziel der Publikation ist es, die Besonderheiten des Managements von Softwareprojekten herauszuarbeiten. Auch wenn den Autoren nicht zugestimmt werden kann, dass es bisher dazu kaum etwas gab (das von den Verfassern zitierte Buch von Balzert und viele andere Bücher könnten hier herangezogen werden), muss man doch konstatieren, dass das Werk gut gelungen ist.

Es behandelt

  • die verschiedenen Vorgehensmodelle einschließlich Extreme Programming,
  • den Projektstart mit der Anforderungsanalyse und der Projektdefinition im Überblick,
  • die Projektplanung in ihren einzelnen Teilaspekten,
  • die Projektkontrolle und -steuerung,
  • das Personalmanagement,
  • die Qualitätssicherung,insbes. Audits und Reviews,
  • das Risikomanagement,
  • die Projektabnahme und den -abschluss,
  • die verschiedenen Formen der Projektorganisation und
  • Reifegradmodelle (CMM,SPICE-ISO/IEC 15504 und CMMI).

Im Anhang findet sich eine Fallstudie über ein fiktives Projekt. Für die Prüfung zum Software Project Manager werden im Anhang Übungsaufgaben gestellt. Musterlösungen dazu können auf der Website zum Buch (www.software-projectmanager.de )eingesehen werden. Alle Ausführungen sind sehr solide und entsprechen in der Regel dem Stand des Wissens. Besonders gefallen haben mir dabei die Kapitel zu den Reifegradmodellen und zum Risikomanagement.

Deshalb sind die folgenden Anmerkungen nicht so sehr als Kritik zu sehen, sondern als Anregung für künftige Auflagen. Dabei weiß der Rezensent aus leidvoller eigener Erfahrung, dass man sich als Autor sehr schwer tut, wenn man unter dem Druck steht, ein möglichst knappes und kompaktes Werk zu schreiben. Hier einige Kommentare:

  • S.52: Die Drei-Punkte-Schätzung von Zeiten basiert auf der sehr fragwürdigen Annahme, dass die Zufallsvariable einer Beta-Verteilung unterliegt. Das sollte problematisiert werden.
  • S.53: Zumindest Function Point, das ohne Zweifel mehr und mehr Verbreitung bei der Aufwands- und Kostenplanung findet, hätte eine ausführlichere Behandlung verdient.
  • S.61 ff.: Die Empfehlung,die Personaleinsatzplanung auf der Grundlage einzelner Vorgänge durchzuführen, ist sehr gefährlich. Wie zum Beispiel Scheuring (in Scheuring, H.: Der www-Schlüssel zum Projektmanagement. Zürich 2002, S. 183) gezeigt hat, gilt eine Planung in diesem Detaillierungsgrad in der Praxis als gescheitert.
  • S.96: Die Ampelberichterstattung wird in ihrer Aussagekraft erheblich überschätzt. Die folgende Aussage eines Projektleiters ist für diese Art verdichteter Information nahezu typisch: „Obwohl im Projekt immer wieder Kosten und Termine überschritten wurden und es auch erhebliche Qualitätsprobleme gab, war die Ampel nur selten gelb. Die rote Ampel habe ich nie gesehen.“
  • S.104: Das Änderungsmanagement ist angesichts der Bedeutung, die es in Softwareprojekten wegen der „Plastizität“ von Software hat, eindeutig zu knapp (5 Seiten) geraten.
  • S.133 ff.: Ebenso knapp ist das Kapitel „Qualitätssicherung“ ausgefallen. Hier hätte man sich einige Hinweise auf neuere Ansätze, zum Beispiel auf den Factor-Criteria-Metrics-Ansatz und ISO 9126, gewünscht.
  • S.143 ff.: In dem sehr gut geschriebenen praxisnahen Kapitel „Risikomanagement“ hätte ich mir den Hinweis gewünscht, dass wirksames Risikomanagement nicht so sehr die Frage einer ausgefeilten Methodik als vielmehr einer Unternehmenskultur ist, in der es kein Tabu ist, auf drohende Gefahren hinzuweisen. Generell ist das Thema der Akzeptanz von PM unterrepäsentiert.

Fazit

Für einen raschen Einstieg wegen der guten didaktischen
und knappen Darstellung gut geeignet.


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