Von Gernot Waschek
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2006, Seite 37 - 39. Alle Rechte vorbehalten.
Die deutsche Projektmanagement-Normung begann 1965 und ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Der Beitrag schildert ihre Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart und die Rolle der GPM.
1 Ausgangslage
Vor über vierzig Jahren – also Anfang der Sechziger – kam das Projektmanagement in Form der Netzplantechnik (NPT) über den großen Teich auch zu uns herüber. Die damals gängigen Verfahren waren die Critical Path Method (CPM)und die Program Evaluation and Review Technique (PERT). Die zugrunde liegende Methode des Ersteren waren Vorgangspfeil-Netzpläne (VPN), bei dem Letzteren Ereignisknoten-Netzpläne (EKN). Besondere Merkmale dieser beiden Verfahren war bei CPM eine Kostenoptimierung durch eine systematische Art der Verkürzung von Vorgangs- und Projektdauer, bei PERT eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung von Zeitabständen und Projektdauer.
Unter den deutschen NPT-Fachleuten herrschte anfangs eine große Begriffsverwirrung. Fast jeder deutsche Verfasser oder Übersetzer amerikanischer Originalliteratur hatte offenbar den Ehrgeiz, andere Benennungen für Vorgänge, Zeitpunkte, Pufferzeiten usw. zu erfinden, oder verwendete einfachheitshalber gleich die amerikanischen Bezeichnungen. Vorgangspfeil-Netzpläne wurden oft fälschlich als „PERT-Plan“ oder „PERT-Netzplan“ bezeichnet (und umgekehrt). Auch sprachen Anwender, die ihre Vorgangspfeil-Netzpläne ohne die bei CPM dazugehörige Kostenoptimierung benutzten, manchmal von „CPM-Netzplänen“, obwohl Vorgangspfeil-Netzplan richtig gewesen wäre.

Einbettung der PM-Normung in die DIN-
und GPM-Organisation
Als mit der in Frankreich entstandenen Metra-Potential-Methode (MPM) und dem amerikanischen Project Control System (PCS) auch noch die ersten Vorgangsknoten-Netzpläne (VKN) auftauchten, verschlimmerte sich diese Verwirrung noch. Auch die EDV-Hersteller, deren NPT-Programme in der amerikanischen Originalversion oder in deutscher Übersetzung (mit den oben genannten Problemen!) angeboten wurden, trugen zum Chaos bei. Noch heute wird für „Vorgang“ oft die Benennung „Activity“ oder „Aktivität“ verwendet.
2 Streben nach Vereinheitlichung
1964 gründeten NPT-Fachleute zum Erfahrungsaustausch im Arbeitskreis Operational Research (AKOR) die „Arbeitsgruppe Netzplantechnik“. 1965 fanden sich dort einige Interessenten zusammen, die sich zunächst als Arbeitsausschuss und später als eigenständige „Arbeitsgruppe Vereinheitlichung der Bezeichnungen in der Netzplantechnik “ mit dem Begriffsproblem befassten, weil sie das Chaos nicht länger hinnehmen wollten. Nachdem zwei Jahre später die ersten Listen mit Definitionen auf dem Tisch lagen,beschloss man, gleich Nägel mit Köpfen zu machen. Man wandte sich an das DIN,das damals noch DNA, also Deutscher Normenausschuss hieß, und schlug eine Begriffsnorm für Netzplantechnik vor. Nach der Zustimmung wurde 1967 die oben genannte AKOR-Arbeitsgruppe in Personalunion auch zum „Ausschuss für Netzplantechnik im DNA“. Da unsere deutschsprachigen Nachbarn Österreich und Schweiz sich ebenfalls für dieses Thema interessierten, arbeiteten Vertreter dieser beiden Länder direkt im deutschen Normenausschuss mit. Sogar zur damaligen DDR bestanden Kontakte.
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