Ein Weg zur projektorientierten Organisation
Von Michael Gessler, David Thyssen
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2006, Seite 19 - 25. Alle Rechte vorbehalten.
Der IT-Dienstleister Postbank Systems AG hat sich in den vergangenen Jahren zu einer projektorientierten Organisation entwickelt. Wenige, aber entscheidende Strukturen haben die teilweise organische Entwicklung unterstützt: Bereits mit Gründung des Unternehmens wurde ein eigenständiger PM-Karrierepfad angelegt. Die strategische Entscheidung wurde schrittweise konkretisiert und in Instrumenten und Strukturen des Unternehmens verankert. Diese trugen wesentlich dazu bei, ein unternehmens- und domänenspezifisches Berufsbild „Projektmanager“ zu etablieren. Der Artikel zeigt beispielhaft, welche Herausforderungen entstehen, wenn Projektmanagement dauerhaft in der Organisation verankert werden soll. Die Postbank Systems vollzog eine grundlegende organisatorische Veränderung, um einen großen Teil des Unternehmens zu einer reinen Projektorganisation – mit den daraus resultierenden Vor- und Nachteilen – zu machen.
1 Ausgangssituation
Im internationalen Vergleich besitzt Deutschland eine hohe Banken-und Filialdichte. Die Produktpalette im Endkundengeschäft ist bei allen Voll-Banken nahezu identisch. Potenziale liegen vor allem in der permanen ten Optimierung von internen Prozessen und Verfahren. Banken, die ihre Prozesse transparent dokumentieren und standardisieren, sind in der Lage, einzelne Schritte aus ihrer integrierten Wertschöpfungskette herauszulösen und sich auf die Kernkompetenzen in ihren Geschäftsmodellen zu konzentrieren. Outsourcing wird bedeutsam und Spezialbanken für Back-Office-Funktionen – wie zum Beispiel Zahlungsverkehr oder Kontenführung – werden möglich. „Die Deutsche Postbank AG ist sowohl aus ihrer Historie als auch in ihrer strategischen Ausrichtung eine Bank für das kundenbezogene Massengeschäft“ und damit auf die kosteneffiziente Abwicklung ihrer Back-Office-Prozesse angewiesen.
Ende der 90er Jahre stand die Postbank vor der Herausforderung, ihre Applikationslandschaft auf diesen bevorstehenden Strukturwandel vorzubereiten. Es wurde eine strategische Kooperation mit der SAP AG zur Entwicklung und Implementierung einer weltweit einsetzbaren Standardsoftware für Banken eingegangen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe wurde die IT-Kompetenz des Konzerns in einer eigenständigen und flexibel steuerbaren Aktiengesellschaft gebündelt. Die Mitarbeiter der neuen Postbank Systems AG kommen heute zu ca. einem Drittel von der Postbank (inkl.ehemaliger DSL-Bank), zu ca. einem Drittel von der früheren IT-Tochter Postbank Data und zu ca. einem Drittel vom freien IT-Markt. Im Jahr 2000 entstand eine neue Organisation mit unterschiedlichen individuellen Erfahrungs- und Kulturhintergründen.
2 Entwicklungsphasen
Die Entwicklung der Organisation verlief evolutionär und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit auf mehreren Ebenen zeitgleich. Aus heutiger Sicht sind drei Entwicklungsphasen erkennbar: eine Aufbruchphase (2000 – 2003), eine Ausbauphase (2003 – 2004) und eine Umbauphase (2004 – 2005).
2.1 Aufbruchphase (2000 –2003)
Die erste Phase dauerte etwa von der Gründung der Postbank Systems AG im Frühjahr 2000 bis Anfang des Jahres 2003. In der Postbank IT wurden vor der Gründung der Postbank Systems AG bereits zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Größenordnungen durchgeführt (z.B. Jahrtausendwechsel, Einführung Internet-Banking). Mit der Entscheidung zur Kooperation zwischen der SAP AG und der Postbank wurde ein Programm ausgelöst, das schon allein aufgrund seiner Größenordnung im deutschen Bankensektor Aufmerksamkeit erregte. Die Benennung des Programms „IT-2003“ verdeutlichte die Zielfokussierung. Diese ausgesprochene Herausforderung bildete die Initialzündung zur Entwicklung und Professionalisierung eines umfassenden Projektmanagement-Systems.
Stabile Prozesse –Dynamische Strukturen
... Weiterlesen in PDF-Ausgabe (Für registrierte GPM-Mitglieder)