Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2005, Seite 50 - 52. Alle Rechte vorbehalten.
Weiterbildung? Keine Zeit! Bei einer Sechzig-Stunden-Woche können Projektmanager allenfalls einen Nachmittag, nicht aber mehrere Tage für ein Seminar mit Anreise und Übernachtung freischaufeln. Ihnen bietet „Blended-Learning“ Hilfe: Nach diesem Muster gestrickte Weiterbildungsangebote reduzieren zeitintensive Seminartage und ersetzen sie durch Online-Kurse. Tele-Tutoren begleiten die Lernenden, die daheim oder am Arbeitsplatz studieren. Auch das renommierte „Diplomstudium Projektmanagement“ der Fachhochschule Gießen-Friedberg nutzt dieses Konzept und verlegt einen großen Teil der Lehre ins „World Wide Web“. Indes, das klassische Seminar verdrängen kann das Studium am Bildschirm nicht: Reines E-Learning führt beim Projektmanagement in die Sackgasse. Die Experten: Auf die richtige Mischung kommt es an!
Michael Gessler, Juniorprofessor für Berufliche Bildung und berufliche Weiterbildung an der Universität Bremen, fordert beim E-Learning die Begleitung durch einen Tele- Tutor. (Foto: privat)
Zum „Campus“ ging es für Tanja Kaul und Thomas Diegelmann buchstäblich um die (Zimmer-)Ecke. Die beiden Frankfurter Juristen hatten bei der Fachhochschule Gießen-Friedberg den weiterbildenden Diplomstudiengang „Projektmanager“ belegt. Mit ihren Kommilitonen trafen sie sich regelmäßig im „virtuellen Hörsaal“. Abends von neun bis zehn Uhr saßen sie daheim am Bildschirm und diskutierten im Chat über Fragen des Risikomanagements, interkultureller Zusammenarbeit oder Projektplanung. Ihre Professoren hatten sie in Präsenzseminaren in Friedberg kennen gelernt. Danach begegneten sie sich für eine Weile nur online. Die Fachhochschule? Für sie eine so genannte „Virtuelle Universität“. Der Fachdialog zwischen Professoren und Studenten? Im Chat. Der Austausch mit Kommilitonen? Am elektronischen „Schwarzen Brett“. Die Klausuren? Online im World Wide Web.
Zwei Jahre nach Beginn des Studiums nahmen sie in einer Feierstunde – diesmal nicht online – ihre Diplomurkunden entgegen. Den modernen Bau der Fachhochschule in Friedberg hatten sie im Laufe der Zeit nur für einige Tage jeweils zu den „Präsenzzeiten“ gesehen, zu Trainings, Praxisworkshops und zum internationalem Studentenaustausch. Für die beiden frisch gebackenen Diplom- Projektmanager stand fest: Ohne den „Campus im Internet“ hätten sie neben ihrem Beruf dieses Studium beim besten Willen nicht geschafft. Allerdings: ohne die auf ein Minimum reduzierten Seminarstunden und den persönlichen Kontakt auch nicht.
Projektmanagement lernen am Arbeitsplatz
„Die Schule kommt zum Schüler“, so brachte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement den Trend zum E-Learning auf den Punkt. Angesichts des großen Bedarfs an Weiterbildung im Beruf verwies er auf die Chancen des E-Learnings. Das gilt auch zunehmend für die Ausbildung der Projektmanager. Ihnen wird immer mehr die Möglichkeit eröffnet, die Methoden und Techniken des Projektmanagements außerhalb der Seminarräume zu erlernen. Sie erarbeiten sich am Arbeitsplatz die Grundlagen der Projektplanung. Sie machen sich daheim mit den Erfordernissen des Projektabschlusses vertraut.
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