Von Thomas Greb
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2005, Seite 38 - 41. Alle Rechte vorbehalten.
Das Capability Maturity Model (CMM) ist ein Framework zur Prozessverbesserung, das in den 1980er Jahren von der Carnegie Mellon University im Auftrag des amerikanischen Department of Defense entwickelt wurde, um Probleme bei der Softwareentwicklung im militärischen Bereich zu lösen. Mit der Weiterentwicklung zum Capability Maturity Model Integration (CMMI) im Jahre 2002 wurden die inzwischen entstandenen CMM-Teilmodelle (Software, Engineering, People etc.) vereinheitlicht. Zugleich wurde der Fokus von der Softwareentwicklung stärker zur Systementwicklung verlagert.
Die Unterstützung bei der Entwicklung komplexer technischer Gesamtsysteme sowie die Tatsache, dass viele Systeme immer softwareintensiver werden, kann der Grund dafür sein, dass CMMI von immer mehr Softwarefirmen und Systemlieferanten weltweit eingesetzt wird.
Wesentliche Ziele des CMMI sind die Vermeidung von Termin- und Kostenabweichungen sowie die Steigerung von Produktivität und Qualität. Grundidee von CMMI ist, dass die Qualität der genutzten Prozesse die Qualität des Ergebnisses (System, Produkt etc.) bestimmt. Die Bedeutung qualifizierten Personals oder der Technologie für den Erfolg wird dabei nicht in Abrede gestellt, jedoch auch als Ergebnis guter Prozesse – etwa für Trainings – gesehen.
CMMI hat im Rahmen seiner übergreifenden Prozessorientierung einen starken Projektmanagementfokus. Im Folgenden wird das CMMI vorgestellt und den Methoden des Projektmanagements gegenübergestellt. Hierfür werden primär die Kompetenzbereiche der „IPMA Competence Baseline“ (ICB) zugrunde gelegt, wobei viele Aussagen analog für den PM-Body of Knowledge (PMBOK) des Project Management Institute (PMI) gelten. Abschließend werden die Einsatzgebiete von CMMI skizziert.
CMMI hat zwei Haupteinsatzfelder: Zum einen ist es möglich, die Fähigkeiten (Capability) und den Reifegrad (Maturity) einer Organisation, komplexe technische Systeme zu entwickeln und zu integrieren, auf Basis einer weltweit standardisierten und langjährig erprobten Methode zu bewerten. Diese Eigenschaften sind bei der Auswahl von Lieferanten sowie bei einer objektiven Standortbestimmung des Reifegrads der eigenen Organisation von Vorteil. Zum anderen bietet CMMI Organisationen einen strukturierten Verbesserungspfad, mit dem diese ihre Fähigkeiten, Systeme zu entwickeln und zu integrieren, steigern können.
Fünf Stufen von CMMI
In seiner Grundform unterteilt CMMI die Prozessreife von Organisationen in fünf Stufen1), auch „Maturity Level“ genannt: „Initial“, „Managed“, „Defined“, „Quantitatively Managed“ und „Optimizing“ Die unterste Stufe 1 „Initial“ kennzeichnet Organisationen, die über keine definierten Prozesse verfügen, und bei denen über den Erfolg von Projekten oft die Heldentaten Einzelner oder der Zufall entscheiden. Zudem sind Organisationen auf Stufe 1 dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht systematisch aus Erfahrungen lernen und vorhandenes Wissen nutzen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Projekts kann in solchen Organisationen kaum vorhergesagt werden.
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