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Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Projektgestaltung in der Softwareentwicklung

Von Ralph Trittmann, Werner Mellis, Holger Wagner, Rasmus Bergmann, Oral Avcý

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2005, Seite 12 - 17. Alle Rechte vorbehalten.
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Wie ist ein Softwareprojekt erfolgreich zu gestalten? Die traditionelle, am Ideal ingenieurmäßiger Entwicklung orientierte Sichtweise unterscheidet sich dabei grundlegend von modernen Empfehlungen, wie zum Beispiel denen des Extreme Programming (XP). Die Ergebnisse einer empirischen Studie der Universität zu Köln zeigen auf, dass moderne Projektgestaltung nicht unbedingt auch zu erfolgreichen Projekten führt. Dieser Zusammenhang besteht nur im Fall hoher Unsicherheit der Softwareanforderungen. Trotzdem folgt die Projektgestaltung in der Praxis auch bei geringer Anforderungsunsicherheit oft dem modernen Entwicklungsideal.

Trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren sind Softwareentwicklungsprojekte nach wie vor häufig mit erheblichen Budget- und Terminüberschreitungen, einem hohen Überarbeitungsaufwand und einer unbefriedigenden Produktqualität verbunden. Das Projektmanagement hat dabei einen entscheidenden Einfluss darauf, ob ein Entwicklungsprojekt erfolgreich ist oder nicht. Es soll durch eine geeignete Projektgestaltung eine erfolgreiche Softwareentwicklung sicherstellen. Was aber ist eine geeignete Projektgestaltung?

Es mangelt nicht an vielfältigen, teilweise auch widersprüchlichen Empfehlungen, wie ein Softwareprojekt gestaltet sein sollte. In den letzten Jahren haben sich insbesondere zwei Lager herausgebildet, zwischen denen eine kontroverse Diskussion entbrannt ist. Das eine Lager vertritt die eher traditionelle Meinung, dass eine sorgfältige Trennung von Entwicklungsphasen im Sinne des Wasserfallmodells wichtig für den Projekterfolg sei. Dagegen vertritt das moderne Lager die Ansicht, es sei vor allem möglichst frühzeitig Feedback auf lauffähige Zwischenversionen der Software einzuholen. In diesem Sinne wird gefordert, frühzeitig mit Entwurf und Implementierung der Software zu beginnen, lange vor dem Abschluss der Anforderungsanalyse. Im Gegensatz zu der traditionellen Sichtweise werden also starke Überlappungen der Entwicklungsphasen empfohlen.

Welchen Empfehlungen soll ein Projektleiter nun bei der Projektgestaltung folgen? Beschreibt der moderne Gestaltungsansatz, beispielsweise vertreten durch das Extreme Programming (XP), die richtige Form der Projektgestaltung? Ist er dem traditionellen Ansatz prinzipiell überlegen? Antworten auf diese Fragen liefern die ersten Ergebnisse einer Studie des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, Systementwicklung der Universität zu Köln zur Gestaltung von Softwareprojekten in der Praxis. Demnach hängt der Einfluss der Projektgestaltung auf den Projekterfolg von bestimmten Rahmenbedingungen ab. Diese geben den Ausschlag, wann der moderne und wann der traditionelle Gestaltungsansatz verfolgt werden sollte.

1 Zwei alternative Ansätze der Projektgestaltung

Software zu entwickeln heißt Entscheidungen zu treffen. In diesem Sinne kann eine Softwareanforderung als eine Entscheidung in der Anforderungsanalyse aufgefasst werden. Sie bildet die Grundlage für eine oder mehrere Entscheidungen im Entwurf. Eine Entwurfsentscheidung schafft wiederum die Voraussetzung für eine oder mehrere Entscheidungen in der Implementierung. Folglich kann die Softwareentwicklung als eine Vielzahl von Entscheidungsketten verstanden werden, mit abhängigen Entscheidungen aus der Anforderungsanalyse, dem Entwurf und der Implementierung.

Auch zwischen diesen Entscheidungsketten bestehen Abhängigkeiten. Verschiedene Softwareanforderungen können zueinander in Konflikt stehen, verschiedene Entwurfsentscheidungen beeinflussen sich gegenseitig und auch die verschiedenen Implementierungsent-scheidungen betreffen letztlich dasselbe Softwaresystem. Die Gestaltung von Softwareentwicklungsprojekten besteht daher im Wesentlichen darin, festzulegen, in welcher Weise diese abhängigen Entscheidungen getroffen werden sollen.


Prinzip erfolgreicher Projektgestaltung





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